Wenn man mal gar nicht weiß, was man sich angucken soll: "Seitensprünge in New York" (Original "Sidewalks in NY") ist garantiert kein Fehlgriff. Kein Film, der einen noch tagelang beschäftigt oder begeistert oder ärgert. Die Grundkonstellation erinnert an Schnitzlers "Reigen": Hier bricht eine Liebe auseinander, dort findet sich sodann ein neuer Partner, der wiederum gerade jemanden verlassen hat, den wir auch im verwirrenden Reigen der Gefühle erleben werden. Es gibt untreue Ehemänner, Ehefrauen die den Ausbruch aus dem Alltag wagen, Noch-Teenies, die merken was Erwachsenwerden heißt, frustrierte Teilzeit-Geliebte, die gerne 24 Stunden mit dem Liebhaber hätten, aber nur eine Stunde für eine schnelle Nummer in der Mittagspause bekommen. Dieser Reigen findet kein Ende, aber für alle Protagonisten gehen Lebensabschnitte zu Ende, fast alle wenden sich mit einer Mischung aus Hoffnung und neugewonnenem Realitätssinn einem neuen Abschnitt zu. Die Charaktere sind interessant, die Stories glaubwürdig, allein die Machart finde ich mäßig. Der Film kommt als Pseudo-Dokumentation daher, immer wieder unterbrechen Interview-Fetzen die erzählte Zeit und lassen die Figuren ihr Schicksal aus der Rückschau erzählen. Solche Sequenzen in öffentlichen Plätzen, meinetwegen, aber nach der Liebesstunde im Hotelbett, der Protagonist gibt seine sachliche, reflektierte Einschätzung über das Geschehene, während er sich noch den Bademantel zubindet? Ich weiß nicht...
Was unvermeidlich ist, wenn der Regisseur diese Stil-Art wählt, ist die Reportage-Kamera, ständig in Bewegung, mit Unschärfen, falschen Bildausschnitten etc. Auch das ist okay, aber für mich will es nicht zusammengehen mit dem Erzählten.
FAZIT: Der Inhalt gewinnt über die Form: ein Film, den man sich anschauen kann.