Der Zweite Weltkrieg war schon insofern eine Fortsetzung des Ersten, da sich im Prinzip die gleichen Machtblöcke wieder gegenüber standen. Während die wirtschaftliche Ausgangslage des Deutschen Kaiserreichs 1914 weit günstiger war als die des Dritten Reiches 1939, standen im zweiten Krieg mit Japan, Italien und Rumänien Staaten an der Seite des Reiches, die im ersten zu den Gegnern gezählt hatten. Aber das gerade und die Anfangserfolge seit September 1939 verführten Hitler Anfang Dezember 1941 zu einer groben strategischen Fehleinschätzung der Gesamtlage.
Der Krieg im Osten entwickelte sich zu einem existentiellen Weltanschauungskrieg, bei dem Freiwillige und Wehrpflichtige aus zahlreichen Staaten an der Seite des Reiches gegen den Bolschewismus kämpften.
Müller gliedert seine Darstellung in drei Teile: Zunächste stellt er die Rolle der Verbündeten (von Finnland über die Slowakei, Ungarn, Rumänien und Kroatien bis Italien) und ihrer Kontingente bei den militärischen Operationen gegen die Rote Armee dar. Die wirtschaftliche und politische Ausgangslage in den jeweiligen Staaten wird geschildert, die Ausrüstung der Truppen und ihre Kampfmoral. Dabei kommen erstaunliche und zwielichtige Fakten ans Licht: Wer zum Beispiel hat gewußt, daß Ungarn 1939 etwa 150 000 polnischen Soldaten über die Karpatoukraine den Weg in den Westen freimachte, wo sie den Kern eines polnischen Exilheeres bildeten? Oder daß die Finnen sich sträubten, die Bahn nach Murmansk anzugreifen und zu unterbrechen?
Ein zweiter Teil behandelt die Rolle der Freiwilligen aus neutralen und besetzten Ländern, die sich überwiegend der Waffen-SS anschlossen. Ihre Motive waren unterschiedlich und ihre Verluste enorm. Diejenigen, die überlebten, erwartete nach dem Kriege in ihrer Heimat die Hölle. Auch dieses Thema wird nicht ausgespart.
Der dritte Teil befaßt sich mit den Freiwilligen aus den besetzten Gebieten der Sowjetunion und denen, die unter den Kriegsgefangenen geworben worden sind. Hitler war anfangs strikt gegen die Aufstellung derartiger Truppen, beugte sich aber später und zu spät den militärischen Notwendigkeiten. Wer von diesen Freiwilligen nicht im Kampf fiel oder nach Kriegsende untertauchen konnte, landete unweigerlich im Gulag.
Das Buch ist in erster Linie ein militärgeschichtliches Werk - ohne die sonst übliche ideologische Rundum-Verteufelung - und ist getragen von der sehr großen Sachkenntnis des Verfassers.