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Seiobo auf Erden. Erzählungen
 
 
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Seiobo auf Erden. Erzählungen [Gebundene Ausgabe]

László Krasznahorkai , Heike Flemming
5.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (2 Kundenrezensionen)
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Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe: 463 Seiten
  • Verlag: Fischer (S.), Frankfurt; Auflage: 1 (3. März 2010)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 310042204X
  • ISBN-13: 978-3100422040
  • Originaltitel: Seiobo járt odalent
  • Größe und/oder Gewicht: 22 x 15,2 x 3,8 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 5.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (2 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 377.896 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

Mehr über den Autor

László Krasznahorkai
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Produktbeschreibungen

Kurzbeschreibung

Seiobo ist eine japanische Göttin, deren Pfirsiche nur alle 3000 Jahre blühen, aber Unsterblichkeit schenken. Der Glaube an solche Geschichten ist uns längst abhanden gekommen, nicht aber ihre Sehnsucht. Ihr geht László Krasznahorkai in seinem neuen Buch nach. Er beobachtet, wie es in jeder Epoche und in allen Kulturen vollkommene Dinge gab und gibt: der im Fluss reglos stehende Reiher, die Grimasse einer No-Maske, die äußerste Nacktheit im Gesicht einer Ikone, die Zerbrechlichkeit einer Buddha-Statue. Seine Helden sind Maler, Schauspieler, Wissenschaftler - Menschen, die erzittern, wenn die Dinge plötzlich die Augen vor uns schließen.

Über den Autor

László Krasznahorkai wurde 1954 in Gyula/Ungarn geboren. Studium der Philosophie an der Budapester Universität. Er erhielt für sein literarisches Schaffen zahlreiche Preise, zuletzt 1996 ein Stipendium des Wissenschaftskollegs Berlin. Er lebt heute als freier Autor in Pilisszentlászló.

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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
12 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Format:Gebundene Ausgabe
Dieses Buch strahlt nicht nur die Sehnsucht nach Geschichten, wunderbar erzählten Geschichten, aus, es erfüllt sie auch. Dem ungeübten Leser mögen sich die langen, oft über eine Seite gehenden Sätze, wie Berge in den Weg stellen. Ich kann sagen, es lohnt sich die Berge zu besteigen und zu übersteigen. Staunend wird der Leser das Detailwissen des Autors entgegennehmen und sich in die Helden der einzelnen Geschichten hineinversetzen und die Sehnsucht des Lesers nach gut erzählten Geschichten wird befriedigt werden. Es sind erhabene Geschichten, die vom Verschwinden, vom Erkennen und von der Zerbrechlichkeit handeln und einen Leser verändert zurücklassen. Kaufen und Lesen!
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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Sprachkunst 3. Juni 2010
Format:Gebundene Ausgabe
In den 17 Erzählungen seines Buches, dem er die japanische Göttin Seiobo, Hüterin der Früchte der Unsterblichkeit, als Titel gibt, bricht sich eine Sprachgewalt Bahn, der man manches Mal nur mehr atemschöpfend zu folgen vermag.

Assoziativ ausufernde Sätze und Wortgebäude, von allen Seiten das Gemeinte, zu Sagende erhellend, reinigend, umfließend, nie abgleitend oder als Wasserfall stürzend, geben den Geschichten ihr äußere Form, vermittels derer Laszlo Krasznahorkai seinem Thema in der Tiefe nachgeht. Eine Tiefe, in die er den Leser ohne Mühe mit hineinnimmt. Eine solche Fülle von eigenen Assoziationen und der Freisetzung eigenen Erlebens entsteht, das in bester Weise mit den Themen und der Absicht des Buches korrespondiert.

Den Blick richtet Laszlo Krasznahorkai in melancholischer, aufrüttelnder, aber nie zynischer oder verbitterter Weise auf jene innere Leere des modernen Menschen in der modernen Welt, in der eigentlich Mystik, Erschauern, Transzendenz, Schönheit und Kunst ihren Platz hätte. Aber, wenn überhaupt, nur noch in Restfragmenten vorliegen.

Sein Blick in der zweiten Erzählung auf das verlorengegangene Wissen um den eigentlichen Schöpfer des Kunstwerkes aus der Werkstatt Botticellis eröffnet das Erkennen um das verlorengehende "Wissen um das Eigentliche", die Tiefe der Gegenstände und der erschaffenden Kunst, die nie einfach aus dem Nichts heraus erschafft, sondern letztlich nur Vorhandenes entkleidet und sichtbar gestaltet. Dieses Vorhandene, Vorliegende, der Welt und der Schöpfung innewohnende ist es, dem sich die Geschichten nähern, es umspielen, umfließen und mit diese, einzigartigen Stil erfahrbar, erlebbar gestalten.
Sei es die Grimasse einer Maske, sei es die eigentliche Zielrichtung des Blickes der Venus von Milo, deren perfekter Schöpfung sich nur einer der Museumswärter in der Tiefe, fast rauschhaft zu öffnen vermag oder eine der mitreißenden, hier in einer auch mörderischen, Geschichten über die Malerei der Renaissance, immer vermag es Laszlo Krasznahorkai, den Leser fast unmerklich mit hinein zu ziehen in das Erleben jener diesseitigen Jenseitigkeit, die an so vielen Orten der Gegenwart nur mehr leere Hülle ist.

Schon in der Eröffnung des Buches ist die Schönheit des in tiefer, vollkommener Ruhe auf den einen, entscheidenden Augenblick wartenden Reihers eine jener Chancen, der "anderen Seite" habhaft zu werden. Für jeden Vorbeigehenden wäre dies erkennbar, doch niemand schaut noch. So verbleibt nach 13 Seiten, auf denen er nur 8 Sätze ausufernd gestaltet, der einzige mögliche Rat an den Reiher im Blick auf seine Vollendung: "Besser, wenn Du Dich zurückziehst und nicht mehr wiederkehrst, besser, wenn Du stirbst".
Gut, dass Laszlo Krasznahorkai seinen Rat an den Reiher selber nicht befolgt hat und trotz traurigen Blickes auf die Leere in der inneren Welt seinen Teil schöpferisch beifügt, die Türen zur metaphysischen Tiefe einen Spalt weiter zu öffnen.

Seine beiden Blicke in die Tiefe, der Blick auf fast unbekannte, dennoch einzigartige Gegenstände und auf deren künstlerische Schaffensprozesse, in diesem Blick in dem das fast verloren geglaubte Vollkommene und die Möglichkeit der handelnden Personen, sich in Ruhe oder im Rausch der Sinne und Worte diese metaphysische Ebene zu erfassen, zu erleben und der gegenläufige Blick auf die Leere, die Verschlossenheit, das rein äußere, pragmatischen Handeln mitsamt seiner dennoch vorhandenen Sehnsucht nach Füllung und Transzendenz, diese beiden Blicke in die Tiefe eröffnet das Buch fühlbar.
Nicht nur im Inhalt, auch in der Form.

Wie sonst als in teilweise sperriger Form, oder in unendlichen sprachlichen Variationen das Gemeinte assoziativ zu verdeutlichen, wie sonst als in berührend melancholischer Ausrichtung wäre ein Zugang zu finden, der tiefer reicht als die reine Sachlichkeit der erzählten Ereignisse?

Wie für seine Protagonisten in den einzelnen Geschichten eröffnet sich der Zugang zur wahren Bedeutung der Gegenstände und Geschehnisse nur, wenn man sich öffnet und darauf einlässt, sich mitreißen lässt von den vielen, immer tiefer führenden, teils verborgenen Bedeutungen.
So gilt dies auch für das Buch an sich, man wird sich einlassen müssen, mittreiben lassen auf dem Strom der nie versiegenden Worte, den wachgerufenen Assoziationen entspannt nachgehen, um die Wucht des Erzählten in jenem inneren Raum zu spüren, den Laszlo Krasznahorkai im Leser betreten möchte. Wissend, dass er auf diesem Weg auf die vielfachen Abwehrmechanismen und Egomanien treffen wird, die die Mutter des persischen Königs in einer der Geschichten durch ihren Neid, ihre Eifersucht und ihren Machthunger eindringlich vor Augen führt.

Aber er gibt die Hoffnung bei aller Welterfahrenheit nicht auf, dass die "Hoffnung auf das Höhere" beim ein oder anderen noch nicht ganz erloschen ist und die Mühe des Weges dorthin noch auf sich genommen werden kann.

Nicht nur, indem er für seine Geschichten einen Stil der Darstellung gewählt hat, der dem Inhalt, dem verbindenden Thema aller Geschichten und seinem persönlichen Ansinnen bestmöglich und weit die Türen öffnet, zeichnet sich Laszlo Krasznahorkai aus, sondern zudem in seinem profunden Wissen über die Gegenstände und Ereignisse, über die schreibt. Lange ist es her, dass ein solcher Blick auf die Gegenstände und Schöpfungen der Kunst im Buch geworfen hat.
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