Wenn man sich meine anderen Rezensionen hier so anschaut, dann fragen sich bestimmt viele Leser, ups, hat die Frau sich im Genre girrt? Nein, hat sie sich nicht. Ludwig Hirsch ist zwar musikalisch meilenweit von Metal Gruppen, die ich gern höre, entfernt. Aber textlich gesehen hat er doch einiges mit Sentenced, Gamma-Ray oder auch Pink Floyd gemeinsam. Denn Hirschs Texte sind voller Dramatik und stellenweise Ironie, und laden auf jeden Fall zum Nachdenken ein. Als ich noch ein Kind war, hörte mein Vater immer mal Ludwig Hirsch auf Kassete im Auto. Da hörte ich manchmal zu und ich konnte mich noch 20 Jahre danach an die bedeutungsvollen und düsteren Texte des österreichischen Liedermachers erinnern. Und solch eine prägende Wirkung kann nicht jeder Musiker sein Eigen nennen. Hirsch kann es. Ob das ironische Lied von der Omama, die ein wenig zu stolz auf ihr Mutterkreuz vom Hitler war, oder Hirschs Interpretation vom Liegen im Sarg unter der Erde, während die Würmer an ihm fressen ( I lieg am Rücken), ganz übel auch das Lied vom Dorftrottel, der von der fanatisch abergläubigen erzkatholischen Dorfgemeinschaft gelyncht wird. Zum Nachdenken regen vor allem die Lieder "Der Wolf", "1928" und "Die gottverdammte Pleite" an. Textstellen wie: " Dort, wo der Regen net bitter schmeckt, dort, wo die Nacht die Zigeuner versteckt, dort, wo die Sonne deine Wunden heilt, dort, ist das Land das Freiheit heisst. Dort, wo der Sturm die Baumspitzen quält, dort, wo der Wind keine Lügen erzählt, dort, wo ein Vieh kein Gitter kennt, dort ist das Land, das er Freiheit nennt.", hätte auch ein Kai Hansen von Gamma-Ray nicht besser verfassen können ( siehe dessen CD Land of the Free). Der dramturgische Höhepunkt wird dann schließlich mit dem Lied "Komm, großer schwarzer Vogel" erreicht. Der Text und die Musik sind derart traurig, dass man am Liebsten gleich losheulen will.
Alles in allem kann man Hirsch jedem kritisch denkenden Menschen empfehlen, der sich über unsere Welt mehr Gedanken macht, als was abends auf den Tisch kommt und was man in seiner Freizeit als nächstes für eine Disco besucht.