"Sein oder nicht sein" ist eines der letzten Werke des dänischen Dichters Hans Christian Andersen, der hauptsächlich durch Märchen wie "Die Kleine Meerjungfrau" bekannt wurde. Dieser Roman um den junge Niels, seine Auseinandersetzung mit seiner frommen Ziehfamilie und seinen eigenen aufgeklärten Ideen fordert viel Identifikationsfähigkeit von einem modernen Leser, und gerade der Schluss des Romans mag für viele Leser befremdlich erscheinen.
Trotzdem verdient der Roman mehr Aufmerksamkeit, als ihm zuteil geworden ist, denn er strotzt nur so von skurrilen Randfiguren und teils heiteren, teils ernsten Nebenhandlungen: Da ist der paranoide Flickschneider, die Zigeunerin, die für ihr krankes Kind einen Heilzauber sucht, und natürlich ist da die kleine Esther, deren Anmut und Intelligenz sie für Niels unwiderstehlich machen. Es gelingt dem Märchendichter Andersen, dem realistischen Entwicklungsroman eine Vielzahl von folkloristisch angehauchten Handlungsstängen beizugeben, die scheinbar zusammenhangslos in die Erzählung einfließen und doch zu einem logischen Ende gebracht werden.