Es ist so eine Sache, wenn man ein Remake eines berühmten Klassikers dreht. Oft genug geht es gründlich schief. Und wer sich an ein Original von Ernst Lubitsch herantraut beweist schon eine Menge Chuzpe. Mel Brooks hat es gewagt und gewonnen. "Sein oder Nichtsein" ("To be or not to be") lautet der Titel beim Original von 1942 wie bei der Neuauflage von 1983. Auch das Drehbuch lehnt sich sehr an das Original an, das noch während des Krieges gedreht wurde, als die weltweite Bedrohung durch die Nazis brandaktuell war. Dennoch versprühte der Film schon damals Ironie und Witz, angesichts des ernsten Themas. Aus der Distanz von 4 Jahrzehnten konnte Mel Brooks hier noch etwas drauflegen und das hat er dann auch nach Herzenslust getan.
Sommer 1939. Das Ehepaar Frederik und Anna Bronski (Mel Brooks und Anne Bancroft) sind die Stars des Bronski Theaters in Warschau. Eifersüchtig beäugen sie einander wegen des Erfolges. Der junge polnische Armeepilot Andre Sobinski (Tim Matheson) schwärmt für Anna und verabredet sich mit ihr hinter der Bühne. Frederiks Hamlet Monolog "Sein oder Nichtsein" ist das Stichwort, zu dem er jeweils den Zuschauerraum verlässt, um Anna in ihrer Garderobe aufzusuchen.
Als die Nazis 1939 in Polen einmarschieren, ist auch das Bronski Theater betroffen. Es wird geschlossen und Frederik und Anna Bronski werden aus ihrer Villa vertrieben, die zum Hauptquartier der Gestapo umfunktioniert wird.
Als ein hochrangiger Verräter mit einer Namensliste nach Warschau kommt, um den polnischen Widerstand zu vernichten, versucht das gesamte Ensemble des Bronski Theaters die Nazis um Gestapochef Ehrhardt (Charles Durning) mit einem Verwirrspiel hereinzulegen und dem Verräter die Liste zu entreißen. Zum Glück ist Ehrhardt ein ausgemachter Idiot, der seinen Adlatus Hauptsturmführer Schulz (Christopher Lloyd) offensichtlich nur zu einem Zweck hat, nämlich ihm die Schuld an allem zu geben. "Schuuuulz! Wie können sie mich so bloßstellen!!!")
Die Story war schon in der Originalfassung unrealistisch und kann heute natürlich erst recht kleinen Anspruch auf historische Authentizität erheben. Das macht aber nichts. Dass man nämlich über Nazis auch herzlich lachen kann, hat schon 1942 der aus Deutschland geflohene Jude Ernst Lubitsch unter Beweis gestellt, so wie zwei Jahre zuvor Charlie Chaplin in "Der Grosse Diktator". Mel Brooks Gesangseinlage als Hitler an der Weltkarte zitiert daraus Chaplins berühmte Nummer mit der Weltkugel. Allerdings muss man sie auf Englisch hören sonst funktioniert das Wortspiel nicht. "All I want is Peace!... A little Piece of Poland, a little piece of France ".
Mel Brooks hat Lubitsch Film 1983 noch einmal aufpoliert ohne dem Original dabei wehzutun. Herausgekommen ist ein witziger Film, den es lohnt sich anzuschauen.
Es hätte der DVD allerdings gut zu Gesicht gestanden, wenn man ihr ein wenig Bonusmaterial gegönnt hätte, vielleicht sogar mit einem Verweis auf Lubitsch Original.