Die hilfreichsten Kundenrezensionen
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41 von 57 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Auf dem Weg zur Antwort auf die fundamentale Lebensfrage, 29. August 1999
Von Ein Kunde
"Die konkrete Ausarbeitung der Frage nach dem Sinn von >Sein< ist die Absicht der (...) Abhandlung. Die Interpretation der Zeit als des möglichen Horizontes eines jeden Seinsverständnisses überhaupt ihr vorläufiges Ziel." (Heidegger; Sein und Zeit)Martin Heidegger gehört zu den bedeutendsten, einflußreichsten Philosophen, ja Denkern überhaupt in diesem Jahrhundert, und wir können mit Bestimmtheit sagen: Die Philosophie dieses Jahrhunderts würde ohne ihn anders aussehen, und nach ihm läßt sich zumindest die europäische Philosophie nicht mehr ohne ihn verstehen, hatte er doch Einfluß auf Sartre, Foucault. Gadamer, Habermas und viele andere, herausragende Geister nach ihm. Seine Wirkung und sein Einfluß erstrecken sich weit über die Philosophie hinaus auf die Theologie, Psychologie und Literaturwissenschaft - um nur einige Bereiche zu nennen. Sein Hauptwerk, das epochemachende „Sein und Zeit" ist dabei sicherlich seine berühmteste und einflußreichste Schrift, welche - wie der Titel schon nahelegt - die Thematik des Zusammenhangs von Sein und Zeit als zentrale in sich trägt - wobei die konkrete Ausarbeitung der Frage nach dem Sinn von Sein die Absicht des Werkes ist, welche vollkommen neu gestellt werden soll, ohne auf die traditionellen „Gedankensystembauten" vorhergehender Epochen wesentlich zurückzugreifen. Damit beansprucht es, eine Fundamentalontologie zu sein. Ausgangspunkt ist dabei der Mensch und dessen Weise zu sein, zu welcher Seinsverständnis wesentlich gehört, und dem es in seinem Sein stets um dieses als das je eigene Sein geht. Das Gesamtwerk „Sein und Zeit" ist hierbei mehrteilig: Die ersten beiden Teile finden sich in dem vorliegenden Band 1 mit dem Titel „Sein und Zeit", und tragen, unter dem vielversprechenden Titel: „Erster Teil: Die Interpretation des Daseins auf die Zeitlichkeit und die Explikation der Zeit als des transzendentalen Horizontes der Frage nach dem Sein." die Überschriften: „Die vorbereitende Fundamentalanalyse des Daseins" und „Dasein und Zeitlichkeit". Der dritte Abschnitt des ersten Teils namens „Zeit und Sein" sowie der zweite Teil als solcher mit dem Titel „Zweiter Teil: Grundzüge einer phänomenologischen Destruktion der Geschichte der Ontologie am Leitfaden der Problematik der Temporalität" wurden von Heidegger jedoch so nie geschrieben - soweit wir bis jetzt wissen (seine Schriften sind bis dato noch nicht vollständig veröffentlicht). Dennoch ist „Sein und Zeit" ein in sich geschlossenes Werk höchster denkerische Brillanz, welches auf eine Art und Weise zu faszinieren vermag wie kein anderes - vor allem vielleicht auch aufgrund der in ihm beschriebenen Analysen der Zeit, des Seins an sich, der Angst und des Todes. Es ist eine eigenständige und in sich gefaßte Lehre vom Sein, von den Ordnungs-, Begriffs- und Wesensbestimmungen des Seienden in einer eigens von Heidegger hierfür entwickelten Terminologie und Sprache. All dies macht es zu einer „Schatztruhe" des Wissens, der Weisheit und der Erkenntnis von Sein - eine faszinierende Reise in die phantastische Gedankenwelt eines genialen Menschen. [Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.] (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)
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24 von 34 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Hartes Brot kauen wird belohnt!, 18. Juni 2005
Heideggers Hauptwerk Sein und Zeit ist zweifellos eines der grossen Werke der Metaphysik und Existenzialphilosophie. Als Schüler Husserls und in enger Bindung an die Freiburger Schule ist er der Phänomenologie, aber auch der Hermeneutik (Kunst der Auslegung;Verstehenslehre) zuzuordnen, um die Richtung seines Denkens kurz zu verorten. Es stellt sich darin die Frage nach dem Sein als die Fundamentalfrage, eine ontologische Fragestellung (d.h. nach einem allem zugrundeliegenden äußeren Zusammenhang). Mittels Destruktion bringt er dabei die Begriffe hin zum Wort, das als solches nicht mehr zu hinterfragen ist. Die daraus resultierende Sprache erscheint als schwierig, da die Alltagsbegriffe durch andere, weniger bedeutungslastige ersetzt werden. Die Begrifflichkeiten werden einerseits als analytische Begriffe gebraucht, andererseits sind sie Phänomen.Er sucht dabei nach dem allem innewohnenenden Kausalzusammenhang - der transzendentalen Bedingung. Das zweiteilige Werk ist meiner Meinung nach ohne philosophische Grundlagen nur unter Zurhilfenahme von Sekundärliteratur empfehlenswert. Es enthält jedoch eine Reihe von Antworten, die den eigenen Horizont meiner Meinung nach wachsen lassen und ich empfehle es jedem, den die Frage nach dem Sein beschäftigt. Wie heißt es doch bei Gadamer, den Heidegger zeitlebens wie kein anderer beeinflußte: "Wer die Gegenwart verstehen will, muss Bücher lesen, die 2000 Jahre alt sind." Sein und Zeit wird wohl auch, wenn es 2000 Jahre alt ist, noch Antworten für zukünftige Generationen bereit halten.
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64 von 104 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
1.0 von 5 Sternen
"Sein und Zeit" - tiefe Erkenntnis oder Unsinn tieferer Art?, 17. April 2006
Heideggers Seinsmystik, sein Kreisen um Grundkategorien wie Zeitlichkeit, Dasein ("Geworfenheit des Daseins"), Angst vor dem Nichts, Wahrheit, Sprache etc. hat bekanntlich viele Leser fasziniert. Heideggers Leistung besteht aber meines Erachtens tatsächlich vor allem darin, eine eigene Begriffswelt kreiert zu haben, eine Art quasi-religiösen Wortzauber, mit dem nach Belieben, teilweise unter Beiseiteschieben der Logik, jongliert wird, begleitet vom Bemühen, Aufklärung, Wissenschaften und Vernunft zu denunzieren.
Bestenfalls lässt sich den Heideggerschen Ausführungen eine Art subjektive Zivilisationskritik entnehmen. Statt aber hier einzelne Aspekte kritisch - mit ernsthaften Argumenten - zu diskutieren, präsentiert Heidegger "tiefe" Einsichten in das "Wesen" der Dinge, die sich um Ergebnisse realwissenschaftlicher Forschung nicht kümmern müssen. Der Wortaufwand, den er hierzu treibt, hat seine Wirkung nicht verfehlt und konnte seine Verehrer (unter ihnen auch Universitätsprofessoren wie z.B. Hans-Georg Gadamer!) über den insgesamt äußerst dürftigen Gehalt seiner "Hermeneutik des Daseins" hinwegtäuschen.
Analysiert man nämlich Heideggers Sätze, muss man meistens feststellen, dass diese entweder (1) Leerformeln oder (2) triviale Aussagen enthalten (allerdings eben in einer für viele wohlklingenden Rhetorik, worin ihm tatsächlich unübertreffliche Meisterschaft zugestanden werden muss) oder (3) einfach falsch sind oder schließlich (4) hinreichend unklar und verschwommen formuliert sind, so dass man natürlich immer behaupten kann, sie enthielten ihre "eigene Wahrheit", die sich empirischer Prüfung nicht aussetzen muss.
"Sein und Zeit" hat eine wahre Flut von Interpretationsliteratur hervorgebracht und gilt bei vielen Philosophen als bahnbrechendes, wenn nicht gar größtes Werk dieser Art im 20. Jahrhundert. Wie war ein solches Urteil möglich? Vielleicht, weil es für viele Zeitgenossen einfach eine Freude, eine Art intellektuelles Vergnügen ist, aus Heideggers Denkweise, seinen Begriffsschöpfungen, die ihm für das "Sagen des Seins" angemessen schienen, tiefschürfende Erkenntnisse herauszudestillieren, wobei dann leider allzuoft das kritische Denken auf der Strecke bleibt.
Hans Alberts "Kritik der reinen Hermeneutik" (Tübingen 1994) enthält eine überzeugende Analyse der Heideggerschen Philosophie: "Die Illusion tieferer Erkenntnis, die er bei seinen Anhängern erweckt hat, beruhte auf Illusionen, die er sich selbst durch sein fahrlässiges Denken verschafft hatte, durch die Art und Weise, wie er sich an der wissenschaftlichen Forschung und an jeder Art rationaler Argumentation vorbei in eine Sackgasse manövriert hat. In diese Sackgasse scheinen ihm heute eine ganze Reihe von Philosophen - vor allem in den romanischen Ländern - folgen zu wollen, die sich auch in rhetorischer Hinsicht an ihn anzulehnen versuchen. Sie sehen offenbar nicht, daß seine Entwicklung ihn vom philosophischen Denken über die Begriffsdichtung in die Wortmusik geführt hat. Die Attraktivität, deren sich der Meßkircher Denker heute erfreut, ist ein Indiz dafür, daß in der Philosophie und in verwandten Disziplinen schwaches Denken oft größeren Erfolg verspricht als eine rationale Erkenntnispraxis, die sich kritischer Prüfung aussetzt." (Albert, aaO., S. 32)
"Nicht die Entdeckung, die Klärung oder die Lösung wichtiger Probleme haben wir ihm zu verdanken. Er war aber zum Beispiel ein Virtuose des effektvollen Gebrauchs von Worten, der Erfinder einer Imponierprosa (Johannes Gross), die kaum zu überbieten sein dürfte ... Heidegger hat einen sehr wirksamen Beitrag zu einer Art des Denkens geleistet, das sich der Aufklärung entgegenstellt. Er hat einen Ausbruchsversuch aus der Vernunft unternommen, aus dem vernünftigen Denken in das, was er für wesentliches Denken hielt, einen Auszug aus dem Argument, der ins Leere mündete, gewissermaßen ins Nichts, das ihn so sehr beschäftigt hat. Und er hat andere dazu verleitet, ihm zu folgen und ebenfalls der philosophischen Falschmünzerei zu huldigen, die er vorgeführt hat." (Albert, aaO., Anhang: Heidegger als Denker, S. 264 f.)
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