Hundefilme gibt es ja mittlerweile wie Sand am Meer, und der Markt ist gerade in diesem Bereich übersättigt mit unzähligen Filmen, die zwar einerseits sehr vielversprechend klingen, aber sich andererseits oftmals im Nachhinein als eine ganz große Enttäuschung entpuppen, vor allem dann, wenn extrem nervige Komödianten die Tiere mit entsetzlich läppischen oder trivialen Sprüchen zum unrealistischen menschlichen Leben erwecken. So muss man als Zuschauer, der in erster Linie einen großen Wert auf anspruchsvolle Unterhaltung legt, beim Kauf eines Hundefilmes schon etwas genauer hinschauen, bzw. etwas länger suchen, bis man etwas findet, was mit dem Niveau des ersten großen Hundestars - Lessie - mithalten kann.
Die Walt-Disney-Produktion - Sein Freund Jello - aus dem Jahr 1957 ist so ein Film. Der kleine Axel und sein größerer Bruder Stefan wohnen zusammen mit ihren Eltern auf einer Farm, die weit von der Zivilisation abgeschnitten ist. Gleich zu Beginn des Filmes verlässt der Vater die Familie, weil er einen sehr guten Job in der Stadt bekommen hat, und überträgt bei seiner Abreise die große Verantwortung für die Bewirtschaftung bzw. die Instandsetzung der Farm seinem ältesten Sohn Stefan, der sich fortan wie ein "Mann" darum kümmert.
Schnell kommt es in diesem Zusammenhang aus Sicht des Zuschauers zwar zu einem lustigen, aber für den fleißigen Stefans überhaupt nicht komischen Zwischenfall, denn ein großer gelber Hund rast auf seiner Verfolgungsjagd nach einem Hasen durch das frisch gepflügte Feld, macht durch sein lautes Gebell den Esel scheu, der gleich darauf reiß aus nimmt, und dabei nicht nur die ganze Tagesarbeit Stefans zu Nichte macht, sondern auch noch den kompletten Zaun der Farm vollständig zerstört. Die Wut auf diesen gelben Hund sitzt bei Stefan sehr tief, und wurde noch viel tiefer, als seine Mutter beschließt, dass dieser "schreckliche" Hund fortan seinem kleinen Bruder Axel gehören sollte, der sich schon seit langer Zeit sehnsüchtig einen Hund wünschte.
Stefan schenkt dem Hund in der Folgezeit nicht wirklich Beachtung, und stellt ihn sogar mehrmals auf ganz harte Bewährungsproben. Erst als Jello seinem kleinen, voller Energie, Tatendrang und Entdeckungsgeist geladenen Bruder das Leben rettet, kann ihn Stefan akzeptieren, und schließt ihn wenig später auch ganz tief in sein Herz. Beide werden im Laufe des Filmes unzertrennliche Freunde, und ein starkes Team, das sich gegenseitig bei der Arbeit auf der Farm hilft und ergänzt.
Mein Freund Jello - ist ein wunderschöner Hundefilm aus dem Hause Walt Disney, der auf anständigem und jederzeit wirklichkeitskonformem Niveau dem Zuschauer nicht nur die große Freundschaft und Liebe zwischen Mensch und Tier näherbringt, sondern ihm auch die Kehrseite des Lebens, und die großen Gefahren der Natur direkt und authentisch vor Augen führt, und dass man unter bestimmten Umständen auch einmal dazu gezwungen ist, etwas zu tun, was man sich vielleicht im ganzen Leben niemals verzeihen kann.