21 von 21 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Das Sterben im Leben physisch erfahrbar gemacht, 26. Oktober 2005
Rezension bezieht sich auf: Sein Bruder (DVD)
Die Filme des Regisseurs Patrice Chéreau ("Die Bartholomäusnacht") sind durchweg keine leichte Kost, zugleich lässt aber auch keiner der Filme den Betrachter wirklich ungerührt.
Inhaltlich ist "Sein Bruder" schnell umrissen: Ein Mann Mitte 30 leidet an einer seltenen Bluterkrankung und sucht die Nähe seines Bruders, als er einen Rückfall erlebt. Sieben Monate später gibt er den Kampf auf und nimmt sich das Leben.
Chéreau macht aber gar nicht den Versuch, eine Geschichte zu erzählen, sondern gibt Einblicke in die Beziehungsräume dieses sterbenden Menschen und lässt durch seinen dokumentarischen Filmstil den Zuschauer Schmerz, Verletzung und Todeskampf physisch erfahren. Es wird deutlich wie Thomas durch seine Krankheit immer mehr auf seinen Körper reduziert wird, der die verbleibende Zeit seines Lebens diktiert, und zugleich sehen die anderen Beteiligten, allen voran sein Bruder Luc und die Eltern, diesem langen Sterben immer hilfloser zu. Verborgene Konflikte brechen auf und immer dringender wird die Frage, was gutes Leben ist, was Leben überhaupt sinnvoll macht.
Der Film ist dabei von einer sehr komplexen Struktur geprägt: Die Chronologie ist aufgehoben (Zu Beginn werden Szenen des Endes gezeigt und Gegenwart und Vergangenheit sind ineinander verschachtelt), die Gespräche werden durch extreme Nahaufnahmen manches Mal zu Monologen, die Kamera zeigt auch dann noch die Menschen, wenn sonst aus Gründen der Verletzlichkeit abgeblendet würde.
Ein sehr sehenswerter Film, für den man Ruhe und Zeit braucht.
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4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
ein Geschichte über das Sterben..., 13. Januar 2008
Rezension bezieht sich auf: Sein Bruder (DVD)
... und wie sich zwei Menschen, zwei Brüder, die sich lange Zeit nichts mehr zu sagen hatten, wieder annäheren und gemeinsam das Martyrium und die Qualen dieses letzten Wegs durchleiden. Gleich vorneweg gesagt, das ist kein Film für einen kuscheligen Couchabend. Hier wird hingegen eindrucksvoll, aber in einer sehr depremierenden Grundstimmung der Leidensweg eines unheilbar Kranken bis an die Schmerzgrenze gezeigt. Wer sich damit konfrontieren möchte, welche Trostlosigkeit in einer Krankenhausbebehandlung liegen kann und wie die Hoffnung langsam aber stetig schwindet, kann sich an diesen Film heranwagen.
Das Beziehungsgeflecht der beiden Männer steht im Vordergrund und kommt mit wenigen Worten aus. Alle anderen Figuren spielen in der Handlung nur eine Nebenrolle. Als die beiden Partnerschaften der Brüder (eine hetero, die andere homosexuell) in die Brüche gehen, schweißt sie das nur noch stärker aneinander. Dass die Geschichte kein "happy end" hat, liegt wohl auch auf der Hand.
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