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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Wie Maulwürfe fliegen lernen,
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Seifenblasenmaschine. Berliner Szenen (Taschenbuch)
Ich lernte Laura Mitte der Achtziger Jahre auf einer FDJ-Versammlung an der Humboldt-Universität kennen, wo sie wegen mangelnder Studiendisziplin gerügt wurde. Mit gelangweiltem Blick ließ sie die Tiraden über sich ergehen. „Mit Maulwürfen diskutiere ich nicht über das Fliegen am Himmel. Ihre Perspektive ist mir zu düster", sagte sie, als sie aufgefordert wurde, sich zu den Vorwürfen zu äußern, und sie verließ lächelnd den Saal. Entrüstung und Gelächter vermischten sich zu einem Geräusch der allgemeinen Erregung, als die Tür krachend hinter Laura ins Schloss fiel. Ich begriff, dass ich mich in diese Frau verliebt hatte..."Martin Jankowski debütierte 1999 mit seinem Roman „Rabet oder das Verschwinden einer Himmelsrichtung" im Via Verbis Verlag, dieses Frühjahr folgt der Erzählungsband „Seifenblasenmaschine" im Schwarzkopff Buchwerke Verlag. Der griffige Paperbackband im schwarzen, den ostelbischen Leser an die Spektrum-Reihe gemahnenden Hochformat könnte fesselnder nicht sein. Hier spielt ein Autor mit allem. Dem Alter, Geschlecht, der Herkunft und den Überzeugungen seiner Protagonisten. Und das höchst authentisch! Bei der Buchvorstellung in der Kalkscheune las Jankowski aus einer fiktiven Medienanalyse eine Aufschlüsselung seines Figurenensembles. Er zählte trocken auf, wie viele Lumpenintelligenzler, Hetero-, Homo und Bisexuelle in seinen Geschichten vorkommen, wie viele Minderjährige, Auszubildende und Schwangere. In den 19 „Szenen" geht es tatsächlich um liebenswerte Versager, Dichter, Malerinnen und Arbeitslose, Gutverdiener und Hundemörder, Sterbende, Heranwachsende, Kinder, Väter, Söhne und Töchter. Jankowski berichtet von Liebe und Hass in Familien, zwischen Geschwistern und Partnern, Freunden und Fremden. Das wie ist dabei entscheidend. Jankowskis lakonisch knappe Art erzählt beinahe ebensoviel essentielles zwischen den Zeilen wie in ihnen. Nach spätestens 20 Seiten kann man dieses Büchlein kaum mehr aus der Hand legen und spätestens bei der „Hundemörderszene" hat es einen dann richtig erwischt! Jede Geschichte entwickelt einen ganz einen Sog, einen Klang, dem man nachlauschen muss. Die Laura aus der Erzählung „Andere Welten" haut schließlich in den Westen ab und als der Ich-Erzähler seine Ex-Geliebte nach vielen Jahren zufällig wiedertrifft, erinnert er sich vor allem an ihre Träume. Doch Laura erinnert sich nicht. Auch sonst ist sie sehr verändert, als Imageberaterin sozusagen geerdet. Der Erzähler kehrt ernüchtert in sein eigenes Leben zurück, zu Frau und Kind. „Der Jahresausgleich ist überwiesen worden!", rief mir Marlene fröhlich entgegen, als ich nach Hause kam. „Hast du jemals einen Maulwurf fliegen sehen?", fragte ich sie. Entsetzt sah mich Marlene an. „Bist du verrückt geworden?" Sie hielt ihre Hand an meine Stirn. Verdammt, dachte ich. Es läuft etwas schief." Martin Jankowski schafft perfekte Momentaufnahmen des Lebens, speziell des Berliner Lebens. Entweder sind seine Figuren aus der ost- oder westdeutschen Provinz zugewandert, oder sie sind immer hier gewesen. Im Berlin der U-Bahn Viadukte, der geschmiedeten Tresen und verträumten Hinterhöfe, unterirdischen Clubs und verkleideten Studenten vor Kaufhäusern. Auch der Autor selbst ist zugewandert und schärft seinen Blick auf die Metropole an den Glasfassaden des Gewöhnlichen wie an den rußschwarzen Gerippen vergangener Revolten. Alles kann man ihm glauben, die junge Künstlerin aus der Westprovinz gerät ihm eben so echt wie der Manager am Potsdamer Platz, der eines Tages Ameisen in seinem Büro entdeckt. Durch verdichtetes Leben, immer von der Sympathie für alles menschliche getragen, zaubert Jankowski Szenerien voller Sonne, Sound und Seifenblasen. Dieses Buch passt wunderbar zu sonnigen Vorsommertagen, zum Liegen auf Wiesen und in Strandklappstühlen, zum Verweilen auf Friedhofsbänken und in der U-Bahn. Es ist ein Berlinbuch der besonderen Art, eine Liebeserklärung, die man sich nicht entgehen lassen sollte! Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
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