Anneli Schinkel, eine junge Frau, die als Säugling vor einem koreanischen Kinderheim ausgesetzt und später von einer deutschen Familie adoptiert worden war, erzählt hier von der Suche nach ihren Wurzeln.
Trotz der wenigen Anhaltspunkte über ihre Herkunft gelingt es ihr durch eine koreanische Fernsehsendung, ihre leiblichen Eltern sowie ihre zwei Schwestern und ihren Bruder zu finden. Es beginnt eine Zeit der Annäherung, die jedoch wegen der kulturellen Unterschiede auch schwierig ist. Dann erkrankt ihre leibliche Mutter plötzlich an Krebs und Anneli muss erkennen, dass ihnen nicht mehr viel Zeit bleibt.
Das Buch erzählt nicht nur die berührende Geschichte eines Adoptivkindes, das auf der Suche nach seiner Herkunft ist, sondern gewährt auch interessante Einblicke in die koreanische Kultur. Obwohl Südkorea als westlich geprägtes Land gilt, gibt es gegenüber Deutschland doch sehr große Unterschiede in Verhaltensweisen und Mentalität. Vor allem die unkritische Verehrung den Älteren gegenüber kann Anneli schwer verstehen. So ist sie beispielsweise bestürzt als sich eine koreanische Freundin auf Wunsch ihrer Mutter einer Schönheitsoperation unterzieht.
Auf Grund dieser Differenzen beginnt man auch über die Sinnhaftigkeit von Auslandsadoptionen nachzudenken. Anneli Schnikel selbst meint in ihrem Schlusswort, dass sie bezüglich dieser Frage zwiegespalten sei. Sie sei zwar glücklich darüber in Deutschland bei einer liebevollen Adoptivfamilie aufgewachsen zu sein, welche ihre koreanische Herkunft von Anfang an berücksichtigt habe. Man tue aber nicht jedem Kind etwas Gutes, wenn man es aus seinem Kulturkreis herausreißt. Daher ist es ihrer Meinung nach am besten, Waisenkindern in ihrem Geburtsland eine Familie zu suchen oder ihr Aufwachsen im Heim mit Direkthilfe zu unterstützen.
Auf diese Weise regt das Buch auch über die eigentliche Geschichte hinaus zum Nachdenken an.
Ein Manko des ansonsten guten Buches ist allerdings, dass der Text oft etwas unbeholfen wirkt. Sicher - Anneli Schinkel ist keine Profi-Autorin und ein Verzicht auf allzu viel Perfektion kann die Authentizität steigern. Aber ein bisschen mehr Eingreifen seitens des Verlags hätte es dem Leser leichter gemacht, der interessanten Handlung zu folgen.