Jürgen Fischer wird an seinem ersten Arbeitstag bei der Krefelder Mordkommission mit einem Fall konfrontiert, der an Kopflosigkeit nicht zu überbieten ist. Dabei hat unser zugereister Hauptkommissar schon genug persönliche Probleme, die ihm die Konzentration auf seine Arbeit schwer genug machen. Aufgeregte Spaziergänger melden der Polizei Leichenfunde, die sich bei genauerer Betrachtung als Schaufensterpuppen herausstellen. Was zuerst wie ein dummer Jungenstreich aussieht, entpuppt sich als blutige Realität, als die Leiche einer jungen Joggerin gefunden wird. Genau wie bei den Puppen fehlt der Leiche der Kopf, was für die Krefelder Kripo einen Zusammenhang vermuten lässt. Jürgen Fischer und seine Kollegen kämpfen gegen die Zeit, denn als eine weitere Joggerin niedergestochen wird und die Vermisstenmeldung einer Frau eingeht, vermutet Fischer, dass sie es mit einem Serienmörder zu tun haben. Geschickt zieht Ulrike Renk in ihrem Krimi “Seidenstadt Leichen” die Fäden und führt die Leser durch ein Labyrinth kriminalistischer Alltagsarbeit. Unser Held, ein Hauptkommissar der Krefelder Mordkommission, glänzt nicht durch atemberaubende Verfolgungsjagden und hellseherischen Fähigkeiten. Vielmehr ist er ein Mensch wie jeder andere mit Problemen und Gefühlen, an denen die Autorin die Leser teilhaben lässt. Vielleicht ist es gerade das, was diesen Kommissar so sympathisch macht. Man spürt beim Lesen, dass es Ulrike Renk nicht nur darum geht, einen Mord aufzuklären, sondern auch die zwischenmenschlichen Aspekte herauszusstellen und ihren Romanfiguren durch ihre Normalität Leben einzuhauchen. In guter Tradition althergebrachter Kriminalliteratur erfährt der Leser erst auf den letzten Seiten, wer der Mörder ist. Plötzlich lösen sich die Knoten auf und mit einem leichten Schmunzeln verbeugt man sich vor der Autorin, die es so gekonnt verstanden hat, ihre Leser auf eine falsche Fährte zu führen. Dabei ist doch alles so einfach ...