Vordergründig eine Geschichte über Frankreich, Japan und die Seide, dann aber eine Geschichte übers Unterwegssein, innerlich wie äußerlich, eine Geschichte über die vielen Facetten von Liebe: Leidenschaft, Treue, Geborgenheit, aber auch Moral, Ausbruch, Flucht und die Kämpfe mit all diesen Gefühlen.
Die Sprache ist sehr reduziert und klar. An diese kleine Novelle die Ansprüche eines großen, epischen Romans anzulegen wäre unfair. Die Figuren bleiben Figuren, beinahe Allegorien, und werden vom Autor kaum zu komplexen Charakteren ausgemalt. Die Brüche in den Seelen der Protagonisten bleiben dem Leser ähnlich schwer zugänglich wie den Protagonisten selbst. Bariccos Stilmittel der Wiederholung ganzer Textpassagen verstärkt den Eindruck von vorgezeichneten Lebenswegen, die die Besitzer dieser Leben so gerne verlassen würden und es doch bis zum Ende nicht schaffen.
Hier entfaltet das Hörbuch, gelesen von Christian Brückner, seine ganze Stärke. Er verleiht dem Text die Endringlichkeit und Struktur, die einem phantasielosen Leser vielleicht sonst verborgen bliebe. Brückner liest engagiert und leidenschaftlich, mit traumwandlerischer Sicherheit für Tempo und Pausen, und seine "brüchige" Stimme passt bestens zu der Geschichte, die ja im Grunde auch von Brüchen in einer heilen Welt handelt.
Auch auf CD große, manchmal ein wenig altmodisch anmutende Erzähkunst, aufs Nötigste reduziert.