Warum wir hemmungslos verblöden, wird in diesem Buch leider nicht beantwortet. Dass Dieter Bohlen, Heidi Klum und Mario Barth nicht dazu beitragen, dass diese Gesellschaft schlauer wird, wissen sogar die meisten Blöden selbst. Weitere Ansatzpunkte? Fehlanzeige. Jürgs Buch Seichtgebiete ist so seicht wie der Titel es vermuten lässt. 250 Seiten reine Beschreibung von Fernsehformaten und ihren Darstellern. Resümee: Im Fernsehen läuft zu viel, pardon, Scheiße. Darum verblöden wir. Danke. Endlich wissen wir es.
Warum wir jedoch verblöden, warum wir uns Sendungen wie Dschungelcamp, Big Brother etc. anschauen, warum solche Sendungen überhaupt ausgestrahlt werden, wird nicht beantwortet. Vielleicht fehlt es ja an Alternativen, vielleicht ist es gar gewollt, dass die Gesellschaft verblödet, wie Thomas Wieczorek in seinem Buch "Die verblödete Republik" vermutet? Die Rolle von Politik und Wirtschaft am Desaster Verblödung wird vom Autor nicht mal gestriffen!
Wer eine Zusammenfassung des Ist-Zustandes der deutschen Fernsehunterhaltung lesen will, gewürzt mit ein bisschen Lehrer-Schelte und Kritik an dem, was auch an Druckerzeugnissen zu kaufen ist, für den ist Jürgs Buch lesenswert. Für alle anderen, die nach tiefergründigen Antworten suchen, außer der, dass ARD-Chef Günter Struve an allem Schuld ist, so Jürgs unerklärlich einfallslos, der wird auf seiner Suche nach Erkenntnis durch dieses Buch nichts dazu lernen. Eher "verblöden"! Denn sachdienliche Hinweise zu den Profiteuren, den Drahtziehern der Verblödung, finden sich leider nicht.
Komisch? Nein. Von einem Autor, der Chefredakteur des Stern war, sein Geld u.a. mit einer "seichten" Biographie über den Herrscher des Springer-Verlages verdiente und sein aktuelles Werk außerdem noch von Bertelsmann verlegen lässt, kann man nicht mehr erwarten. Er hätte seine eigenen Geldgeber angreifen müssen