Thich Nhat Hanh ist ein in Vietnam 1926 geborener Mönch. Ein ganzes langes Leben lang schon versucht er, Menschen überall auf der Welt als Zen-Meister, Dichter, Friedensaktivist, Vortragender und Autor zahlreicher Bücher für seine tiefe Weisheit zu gewinnen. Dabei ist er so gar nicht eine öffentliche und politische Person wie etwa der Dalai Lama.
Die Sprache Thich Nhat Hanhs ist von einer liebevollen Alltagsnähe, dass sie den Menschen direkt in die Herzen spricht und sie über alle religiösen und kulturellen Grenzen hinweg ansprechen kann und anzieht. Er lebt in einem von ihm gegründeten Zentrum in Frankreich und lehrt die Menschen auf seinen Reisen die Kunst des achtsamen Lebens.
Auch das vorliegende mit wunderbaren Bildern großzügig ausgestattete Buch mit Texten und Weisheiten für alle Wochen des Jahres ist ein hervorragendes Beispiel dafür. Für die Woche , in der der Rezensent diesen Text schreibt, heißt es in diesem spirituellen Jahreswegweiser:
"Wie können wir etwas loslassen ? Das gelingt nicht einfach deshalb, weil wir es so wollen. Bevor wir etwas loslassen können - eine Überzeugung, ein Gefühl, ein Verlangen -, müssen wir das Betreffende zuerst ganz anerkennen. Vielleicht haben wir eine genaue Vorstellung davon, was wir brauchen, um glücklich zu sein. Doch tatsächlich verhindert diese Vorstellung unser Glück. Wir müssen tief hineinschauen, um die Natur dieser Überzeugung zu erkennen. Auf welcher Basis ist sie entstanden ? Was sind ihre Wurzeln ? Durch welche Erfahrungen ist sie in uns gewachsen ? Wir haben oft Angst, etwas loszulassen, weil wir dann nichts mehr haben, um uns festzuhalten. Diese alte Überzeugung mag uns viel Lied verursachen. Doch solange wir keine Alternative sehen, wie wahres Glück möglich ist, ist es schwer, sie gehen zu lassen.
Achtsamkeit und Konzentration bringen Einsicht hervor. Ohne Einsicht können wir nicht loslassen."
Eine wunderbare spirituelle Einführung in das weltumspannende Denken eines wahrhaft großen Lehrers. Menschen aller Glaubensrichtungen können sich dort wiederfinden und Thich Nhat Hanhs Weisheit in ihren eigenen Glauben integrieren.
"Wir sollten das Bewusstsein in uns wecken, dass wir alle, über kulturelle Grenzen hinweg, dieselbe Zukunft teilen", schreibt er in seinem Vorwort.
Ob seine Vision, für die es auch im messianischen Denken und Handeln des Jesus von Nazareth viele Belege gibt, sich erfüllt, bleibt abzuwarten- und auch wieder nicht - , denn wenn alle abwarten, wird nichts geschehen. Allerdings eins ist auch klar und eint alle Weisheitslehrer dieser Welt: die Veränderung der Welt fängt an mit Dir - in Dir.