Margot Käßmann spricht aus eigener Erfahrung, wenn sie sagt, dass sie sich niemals nach Veränderungen in ihrem Leben gesehnt hätte, dieses aber im Nachhinein als große Bereicherung sähe. Eine Ehescheidung, eine schwere Erkrankung und dann der jähe Bruch in einer großartigen Karriere haben die Autorin nicht in ein tiefes Loch fallen, sondern das Leben in seiner großen Fülle immer intensiver erfahren lassen.
Und davon handelt dieses Buch vor allem, von den Veränderungen, die wir erleben, wenn wir über die Grenzen der vermeintlichen Wirklichkeit hinausgehen. Von der Sehnsucht nach Stille, nach Heimat, Frieden, nach Mut, Kraft und Freiheit, von der Sehnsucht nach einem Engel und nach Gott, von der Sehnsucht nach Trost und Geborgenheit, nach Liebe und nach Leben - davon erzählt die Autorin in den zwölf Kapiteln. Alle Sehnsüchte zusammen repräsentieren die Sehnsucht nach einem erfüllten Leben, das sich jeder Mensch wünscht.
Viele Menschen wagen nicht zu leben, weil sie Angst vor Veränderungen haben. Sie verharren lieber in einer ungeliebten Wirklichkeit, als ihre Träume und Sehnsüchte in einem Leben jenseits dieser Realität zu verwirklichen. Denn jede Veränderung bedeutet auch Abschiednehmen - von Menschen, Orten, von den Erwartungen anderer und von den eigenen Zielen und Lebensplänen.
Margot Käßmann berichtet in ihrem Buch, wie sie selber mit diesen Veränderungen, den Abschieden und den Neuanfängen zurecht gekommen ist. Sie interpretiert in den lebensvollen Zusammenhängen immer wieder Bibelstellen, die auch für Menschen, die sonst der Kirche nicht so nahe stehen, auf diese Weise verständlich und glaubhaft werden. Denn die Autorin urteilt und predigt nicht von der Kanzel herab, sondern sie spricht in ihrem Buch als Mensch zu Menschen. Das kann man nur, wenn man selber erlebt hat, dass Veränderungen eine Lebenstiefe und Lebensfülle bedeuten, eine Erfahrung von Vertrauen in das Leben und in Gott. In aller Unsicherheit der Umbruchsituation kann man so auch tatsächlich Glück erleben.
Margot Käßmann schreibt in klarer verständlicher Sprache und ich wollte das Buch gar nicht mehr aus der Hand legen, als ich angefangen hatte zu lesen. Und als ich mit dem Lesen fertig war, stellte ich das Buch nicht ins Bücherregal, um es im Alltag immer bei mir haben. Dazu tragen auch die wundervollen Bilder des Künstlers Eberhard Münch bei, die er zu den zwölf grundlegenden Sehnsüchten gemalt hat.