Ebenso urtümlich wie unwiderstehlich eine schamanisch anmutende Rahmentrommel, ein beharrlicher Rhythmus, dem der Hörer sich kaum entziehen kann und zu dem Dona Rosa ihren altüberlieferten Gesang über das grüne Korn ("Milbo Verde") intoniert. Melodie- und Harmonie-Instrumente stimmen erst spät und durchaus behutsam ein. Man fühlt sich durchaus nicht nach Portugal versetzt, eher nach Usbekistan oder in die Steppen Afrikas. Südeuropäisch wird es erst, wenn eine zart gezupfte Gitarre von sanften Akkordeon-Melodien umspielt wird. Dona Rosas Gesang wird allmählich portugiesischer, bleibt aber nicht minder eindringlich und kann auch jetzt nicht seinen orientalischen Einschlag verhehlen. Wissen wir doch, dass sich die typischen Melismen in den Gesängen der iberischen Halbinsel der maurischen Vergangenheit verdanken.
Dona Rosa ist alles andere als eine gestylte Fado-Kunstfigur, die mit ätherischer Schönheit und hinreißendem Augenaufschlag die Schickeria zum Pop-Fado-Event in die Hallen lockt. Bis vor Kurzem hat diese eher kleine Frau im mittleren Alter in den Straßen von Lissabon gesungen. In ihren melancholischen Melodien singt sie auch heute noch vom Leid der Ärmsten, von tragischer Liebe und Tod, vom fernen Lächeln eines Geliebten, den man nie wiedersehen wird. Ihre zweite CD "Segredos" (Geheimnisse) ist ein sehr persönliches Statement Dona Rosas, mit Liedern, die für ihr Leben bedeutungsvoll waren.