Als Rollenspielfan mag ich Abwechslung bei Szenarien, weswegen ich Infinite Space eine Chance geben wollte. Leider haben mir Technik und speziell die Spielmechanik den Spaß an der Sache recht schnell vergrätzt.
Dabei macht der Titel relativ viel gut: das Universum wird schematisch als Sternkarte mit linearen Routen dargestellt und bietet eine Vielzahl an Planeten und Galaxien, die frei bereist werden können - vorausgesetzt, man verfügt über die entsprechende Raumflotte und eine erfahrene Crew.
Dieser Aspekt des Spiels erinnert an PC Titel wie Freelancer, denn wie dort lassen sich Raumhäfen mit verschiedene Etablissements anfliegen, wo man unter anderem eine Vielzahl an Raumschiffmodellen kaufen und aufrüsten kann.
Raffiniert ist dabei das Innenausstattungssystem. Anstatt immer mehr Technik an die Außenhülle der Schiffe zu tackern, lassen sich verschiedene Module, wie zum Beispiel Maschinenräume oder taktische Zentralen, im Innern der Schiffe installieren. Diese Module verbessern dann die Gesamtwerte der Flotte, wobei die Größe des jeweiligen Schiffstyps und die Form der Module nach klugem Management verlangen. Ebenfalls interessant und motivierend ist das Zuteilen der Crews. Die einzelnen Module können mit verschiedenen, teilweise rekrutierbaren Charakteren besetzt werden. Abhängig von deren Charakterwerten erledigen sie dann den ihnen zugewiesenen Job mehr oder weniger effizient und beeinflussen die Performance des gesamten Moduls.
Verlässt man die Planeten, legt man auf der Sternkarte eine Route fest, die das Schiff dann automatisch abfliegt. Dabei kommt es mit steigender Reisedauer öfter zu Überfällen auf die Flotte und der Kampf beginnt.
Nach diesen positiven Aspekten muss ich nun das Kampfsystem ansprechen, das mir persönlich überhaupt nicht gefallen hat und mich dazu brachte, letztendlich mit dem Spiel aufzuhören. Anstelle von rundenbasierten Kämpfen oder Schlachten im 3D-Raum, in denen man Befehle an einzelne Schiffe verteilt und taktisch positioniert, bekommt man ein recht seltsames Echtzeitsystem präsentiert:
Die eigene Flotte aus bis zu fünf Schiffen wird hierbei als Ganzes befehligt. Zwar lassen sich einzelne Schiffe der Gegnerflotte anvisieren, aber es macht grundsätzlich nur Sinn, das am nächsten fliegen Schiff anzugreifen (welches seltsamerweise zu Schlachtbeginn nicht automatisch als Ziel aufgeschaltet ist). Die eigene Flotte verfügt nur über zwei Bewegungsmanöver, Vorstoß oder Rückzug. Es gilt, den Feuerradius der eigenen Waffen im Auge zu behalten und sich dem Gegner bis auf Reichweite zu nähern. Dies sollte jedoch nicht zu schnell geschehen, da die Angriffsoptionen Zeit benötigen, um sich aufzuladen. Sind die Schiffe in Reichweite und Waffen einsatzbereit, kommt ein Stein-Schere-Papier-System zum Tragen. Man kann der Flotte befehlen, auszuweichen, normal anzugreifen oder Sperrfeuer zu geben. Der Sperrfeuerbefehl richtet dabei beträchtlich höheren Schaden an - vorausgesetzt, der Gegner hat nicht den Ausweichen-Befehl gegeben, in welchem Fall der normale Angriff etwas mehr, das Sperrfeuer jedoch fast überhaupt keinen Schaden anrichtet. Die einzige Möglichkeit, abzuschätzen, welchen Befehl der Gegner gegeben haben könnte, liegt also darin, zu beurteilen, welcher Befehl aufgrund der vergangenen Zeit überhaupt möglich ist.
Kurz gesagt läuft das Kampfsystem darauf hinaus, den Gegner zu belauern, Zeit für den eigenen Angriff zu sammeln und gleichzeitig zu erraten, wie die Antwort der gegnerischen Flotte aufgrund der abgelaufenen Zeit aussehen könnte. Vielleicht spricht diese Art von Kampfsystem bestimmte Spieler an. Ich gehöre nicht dazu, denn statt Taktik ist es eher ein Test der Risikobereitschaft. Es besteht zwar auch die Möglichkeit, gegnerische Schiffe ab einem bestimmten Abstand zu entern, doch hier kommt ebenfalls lediglich ein Stein-Schere-Papier-System beim Befehligen der Entermannschaft zum Einsatz.
Wie schon erwähnt, lässt auch die Technik zu wünschen übrig. In Schlachten werden die Schiffe als grobe, langweilig texturierte Polygonmodelle dargestellt, um die automatischen Schusswechsel und Explosionen in immer ähnlichen Einstellungen zu illustrieren. Planeten lassen sich nicht wirklich erkunden. Man landet in Raumhäfen und besucht Bars und Geschäfte, wobei es manchmal zu Zwischenfällen mit rudimentären Entscheidungsmöglichkeiten kommt. Die Dialoge im Spiel werden durch Standbilder und Textboxen im Animestil dargestellt, lediglich bei großen Storyereignissen gibt es voll animierte Filmschnippsel zu bewundern. Wie außerdem bemerkt werden muss, verfügt das Spiel ausschließlich über englische Texte und Sprachausgabe, was manche Spieler vor Probleme stellen könnte.
Über die gesamte Qualität der Story möchte ich an dieser Stelle nicht urteilen, da ich ihr nicht sonderlich weit gefolgt bin. Trotzdem macht mich der Anfang etwas stutzig: der Held des Spiels wohnt auf einem Planeten, dessen Bewohnern Raumfahrt verboten ist. Daher heuert er mit mühsam gespartem Geld eine Raumpilotin an, die ihn von seiner Heimatwelt fort bringen und es ihm ermöglichen soll, den Weltraum zu erforschen. Soweit, so gut - jedoch erklärt sich die erfahrene Raumpilotin nach der Flucht von dem Planeten sofort dazu bereit, dem Jungen beim Aufbau seiner eigenen Raumflotte zu helfen, wozu sie nicht nur ihr eigenes Schiff beisteuert sondern sich auch dem Kommando des Grünschnabels unterstellt. Ein nicht gerade eleganter Weg, dem Spieler zu Anfang des Spiels ein erstes Schiff zur Verfügung zu stellen.
Fazit: Infinite Space verfügt über ein in Rollenspielen wenig genutztes Science Fiction Szenario und viele durchaus durchdachte Konzepte. Mir persönlich gefällt jedoch neben der technisch schwachen Präsentation das Zusammenspiel der Elemente besonders im Weltraumkampf nicht. Leider konzentriert sich das Spiel mit seinen guten Ideen sehr stark auf genau diese Schlachten. Der Kampf ist außerdem von Anfang an relativ herausfordernd und die Steuerung ohne Vorkenntnis schwer zu durchschauen, da man ohne großes Tutorial in die Gefechte geworfen wird. Schnell verschätzt man sich bei seiner Vorgehensweise, was den Spieltod und die Rückkehr zum letzten Speicherpunkt bedeutet.
Letztendlich ist Infinite Space ein Spiel, das ich gern gemocht hätte, was mir jedoch durch die Ausführung wichtiger Kernelemente verwehrt blieb.