Erstmal möchte ich sagen , dass mich sonst alle Teile und Addons der Total War Serie begeistert haben und ich bin auch seit dem ersten Teil (Shogun) dabei, aber der neueste Teil war doch eher enttäuschend und erinnert fast schon an den größten Flop des letzten Jahres namens "Warleaders - Clash of Nations"
Ich habe auf die Bewertungen und Previews diverser Computerzeitschriften, Internetseiten und natürlich meiner Erfahrung mit dem Total War Spielen getraut und hab dann in den ersten Veröffentlichungstagen auch gleich zugeschlagen. Dann folgte eine ellenlange Installation per Steam. Ich lasse das Thema Steam mal weg, weil meiner Meinung nach nicht Steam hier bewertet werden sollte, sondern das Spiel. Ich mag Steam auch nicht und ich musste auch ein paar Prinzipien über Bord werfen als dann das schwarze Logo neben meiner Uhranzeige aufflackerte und ich das Spiel aktivierte.
Wie hat das Spiel nun den Umstieg von hauptsächlich Nahkampf mit Schwert und Schild auf den Fernkampf mit der Muskete verkraftet? Nicht besonders gut...
Nun mal zum Kernpunkt: Das Spiel sieht auf den ersten Blick fantastisch aus! ABER eben nur auf den ersten Blick. Auf dem Zweiten entdeckt man die monotonen Gesichter einer Klonarmee. Jeder Soldat gleicht seinem Nebenmann. Da war der Vorgänger Medieval schon innovativer.
Moment, Moment! Bevor ich es vergesse: Bevor Sie die Klonarmeen bestaunen können müssen Sie mit einer langen (irgendwie beinahe an Kassettenlaufwerke erinnernde) Ladezeiten rechnen. Da kann man beim Wechsel zwischen dem schicken Strategie und Taktikmodus sich gut und gerne mal nen Kaffee aufsetzen, eine Zigarette rauchen oder wer es etwas gesünder mag: ein paar Situps oder Kniebeugen absolvieren. (Würde ich das wirklich machen, dann bräuchte ich bestimmt nicht ins Fitnessstudio) Die Ladezeiten erinnern mich auch an Warleaders, welches auch erst hochgejubelt wurde, aber dann als verbuggte Betaleiche in die Regale kam.
Meiner Meinung nach ist auch die KI nicht unbedingt die Hellste. Es ist mir schon passiert, das der Gegner in deutlicher Unterzahl war, aber eine Stadt als Deckung hatte. was macht der Computer? er schickt seine Reiter in einem verzweifelten Angriff gegen meine Massive Front aus Linieninfantrie und der Trupp wird innerhalb von Sekunden aufgerieben. Seine Infanterie nutzt nicht die Deckung der Häuser, sondern verschanzt seine Truppen in den vordersten Häusern und lässt sich von meiner Artillerie zusammenschießen. Klasse. Ich hatte nicht mal 2 Dutzend Mann verloren, während der Computer ca. 500 Mann verlor.
Nächster Punkt wäre dann wohl die Seeschlachten. Um die Seeschlachten beherrschen zu können muss man entweder ein Genie sein oder eine Krake. Denn das Gewusel, welches entsteht, wenn mehrere Schiffe gelenkt und versenkt werden wollen, dann wäre eine zweite oder dritte Computermaus bestimmt nicht schlecht. die Seeschlachten sehen zwar wieder sehr schick aus, (Die schönsten, die ich bisher gesehen habe) kommen aber nicht an die schlichte Einfachheit/Genialität von einem altgedienten Pirates ran. Pirates ist zwar heute schon etwas veraltet, aber die Seeschlachten waren dort ganz einfach das treibende Argument immer weiterzuspielen. Empire verlangt dagegen, das mehrere Schiffe gleichzeitig gelenkt, Segel gesetzt, Kanonen beladen werden wollen. Meistens konzentriert man sich sowieso nur auf ein oder zwei Schiffe und der Rest wird notdürftig befehligt. Meiner Meinung nach hätte man das bestimmt besser lösen können.
Ein weiterer Kritikpunkt sind die Kampagnen, die etwas knapp sind. Es gibt nur die Befreiung Amerikas aus den Klauen der britischen Krone, eine Große 99 Jahre Kampagne und eine kleine 50 Jahre lange Kampagne. Gerade mal 99 Runden finde ich persönlich als etwas zu kurz. (Wenn man mal von den künstlichen Wartezeiten wegen der langen Züge der Computergegner und den ermüdenden Wechseln zwischen Strategie und Schlachtkarte mal absieht) Vielleicht hätte man hier 4 Jahreszeiten einsetzen können, um das Spiel zu verlängern, statt dem einfachen Sommer-Winter Ping-Pongs.
Das Baumenü ist komplett erneuert und gleichzeitg hat es sich auch komplett verschelchtert. denn statt breiter Auswahl was man bauen möchte ist man meistens auf ca. 2 - 5 Bauwerke + Ausbesserungen beschränkt. Schön ist, das kleine Städte entstehen können und diese dann auch bewirtschaftet werden wollen - nicht so so schön sind die stark eingeschränkten Möglichkeiten in diesen Städten zu bauen.
Ein Forschungszweig wurde eingeführt und Forschung hängt nicht mehr von der Größe einer Stadt ab. Eigentlich eine schöne Verbesserung, aber auch hier gibt es Abzüge, dafür, das man nicht überall Schulen bauen kann. Meistens muss man Gebiete mit bereits bestehenden Schulen erobern, um an Neue ranzukommen. Also ist das größte Land meistens auch das Fortschrittlichste. (Demnach müsste die Mongolei einen 4x höheren Technikstandard als Deutschland innehaben.)
Zwar werden in Regelmäßigen Abstand Patches veröffentlicht, aber es ist schon peinlich, das kurz nach dem Release sofort ein Patch erscheint und am Folgetag musste ein Hotfix, die neuen Bugs, die durch den Patch vom Vortag entstanden sind wieder wett zu machen. Inzwischen ist ein zweiter offizieller Patch draußen und bei einigen Spielern läuft das Spiel nun gar nicht mehr. Bei mir persönlich lief das Spiel zwar langsam, aber stabil. Hätte ich jedoch etwas Langsames und Stabiles gewünscht, dann hätte ich mir auch eine Schildkröte kaufen können.
Die Medien hätten ruhig mal ein wenig kritischer Bewerten dürfen. Ich weiß nicht, wie Bewertungen über 90% zustande kommen. Entweder hatten diese Tester einen absoluten Highend-Rechner und waren einfach zu begeisterte Total War Fans, so dass sie gar keine objektive Wertung abgeben konnten oder es war mal wieder das liebe Geld im Spiel. (Wie passend). Denn wenn ein Magazin ein Spiel im Vorab testen möchte, dann sollten sie schon gute Kontakte zum Hersteller haben. wenn man da dann zu ehrlich ist und vielleicht nur 75% oder 70% gibt, dann bekommt man keine Vorabversionen mehr. Doch Medienkritik gehört hier jetzt eigentlich nicht hin. Ich wollte ein Spiel bewerten und das habe ich auch getan.
Wie immer mache ich eine kleine Positiv/Negativbilanz mit den Punkten, die mir am meisten aufgefallen sind.
Positiv:
+ Sehr hübsche Grafik (Die schönsten Seeschlachten bisher)
+ Interessantes Szenario (Zu dieser Epoche gibt es sonst nicht so viele Spiele, außer vielleicht Europa Universalis)
+ Hübsche Animationen der Figuren
+ Toller Sound (Wer mit ner guten Anlage+Subwoofer mal die Kanonen donnern gelassen hat weiß wovon ich spreche!)
+ Ich nennen ihn mal den Total War Faktor (Kann ich auch nicht genau beschreiben)
Streitpunkte
+- Verschlimmbesserungen bei Forschung, Diplomatie, Handel, Bau
Negativ
- Steam / Installationslänge
- LADEZEITEN UNERTRÄGLICH!
- Kurze Kampagnen
- Wenige historische Gefechte
- wurde mal wieder von Zeitschriften/Internetseiten zu sehr gehypt (Wertungen von über 90% halte ich für ein unfertiges Spiel für übertrieben. Das fertige Resultat sollte bewertet werden und nicht der gute Wille)
- Grafik nicht voll ausgenutzt (Städte eher plump, Klonarmeen)
- Bug, Patch Hotfixorgie momentan angesagt.
- Irgendwie wirkt das Spiel nicht wirklich fertig.
Fazit:
Jede Fortsetzung hat einen schwächsten Teil. Star Wars Episode II, Indiana Jones II, Werner 3 und eben Empire Total War. Es wurde hochgelobt, kommt aber unfertig raus (Erinnerung an Warleaders, nur das dort der Support nach ca. 3 Monaten komplett eingestellt wurde). Die Erwartungen waren hoch, denn schließlich sollte Medieval 2 übertrumpft werden, aber leider wurden diese Erwartungen enttäuscht. Schade. Es hätte das spiel des Jahres werden können, dafür habe ich einen Anwärter auf die Gurke des Jahres 2009, wenn sich da nicht noch ganz schnell was ändert.
Normalerweise würde ich prinzipiell unfertige Produkte mit 1 Stern verdammen und verreissen. Empire ist zwar unfertig, aber spielbar und Patches werden ja nachgeliefert. Ich warte noch auf Einen, der die Performance erhöht. Es ist zwar alles schön anzusehen, aber unter dem Glanzlack stecken dicke Defizite.
Außerdem ist es Total War und dem darf man doch nicht nur 1 Stern geben ;)