Als meine Freundin mir das Buch geliehen hat, hatte ich erst mal überhaupt keine Lust, es zu lesen. Bloß kein Sachbuch... Nun kann man geliehene Sachen ja nicht ewig behalten, also musste ich ran. Und wurde positiv überrascht.
Das Buch behandelt die Frage, wie wir gut und hilfreich miteinander umgehen können. Dabei geht es nicht um die professionelle Seelsorge durch ausgebildete Seelsorger, sondern um die ganz normalen Beziehungen im (Gemeinde)alltag, unter Freunden/Nachbarn/Kollegen usw.
Einige der Fragen, die angesprochen werden: Worauf kommt es beim Zuhören an? Wie kann ich Kritik üben? Was sage ich zu meinem Nachbarn, dessen Frau vor kurzem gestorben ist? Wie kann ich jemanden bei einer Entscheidungsfindung begleiten? Wie gehe ich mit psychisch Kranken um?
In vielen Erfahrungsberichten kommen Personen zu Wort, die anderen helfen, und auch auch Personen, denen geholfen wird. Gerade die Erfahrungsberichte der zweiten Gruppe finde ich besonders hilfreich. Man erfährt, was von Menschen als hilfreich empfunden wird und was nicht. Sehr gut fand ich dabei auch den Bericht einer Frau, die lange Zeit unter einer Angststörung gelitten hat. Psychische Erkrankungen sind ja immer noch ein Gebiet, das viele Unsicherheiten auslöst. Dieser Bericht liefert Informationen, die helfen können, Unsicherheiten abzubauen.
Die vielen Erfahrungsberichte machen das Buch auch sehr lebendig und gut zu lesen.
Viele haben nicht den Mut, Seelsorger zu sein, weil sie denken, ihnen fehlen dazu die Fähigkeiten. Oft suchen Menschen aber nicht den Seelsorger, der auf alles eine Antwort hat, sondern einfach jemanden, der mit ihnen ein Stück des Weges geht. Karin Ackermann-Stoletzky macht Mut zur Seelsorge.
Sie zeigt aber auch - und das finde ich sehr wichtig - wo Seelsorge ihre Grenzen hat und wo professionelle Hilfe, ggf auch durch Psychologen und Ärzte, notwendig ist. Sie nennt dafür auch Kontaktadressen.
Fazit: ein überhaupt nicht langweiliges und sehr hilfreiches Sachbuch.