Erst spät wurde vielen bewusst das selbst Kinder und auch die ganze Familie von Kriegsteilnehmern des zweiten Weltkriegs traumatisiert werden können, da die Väter den Schock und das maßlose Grauen des Krieges am Ende der Kriegshandlungen und ihrer Freilassung mit nach hause brachten. Ebenso wie ihnen bei der Bewältigung nicht geholfen wurde, half man auch den Familien nicht, die Kinder hatten daher am mussten darunter zu leiden. Existentielle Not, Lebensgefahr, Zerstörung, Verlust, Schuld und Beschämung führten bei vielen zu seelischer Entwurzelung - dieses Buch SEELISCHE TRÜMMER von Bettina Alberti möchte sich daher mit den Familienangehörigen, insbesondere den Kindern beschäftigen und aufzeigen wie man dieses Erbe annehmen kann und die psychischen Verletzungen zu heilen vermag. Heilung ist möglich durch verzeihen, vergessen aber können wir nie.
Nicht nur die Kriegsteilnehmer wurden traumatisiert und nicht behandelt - so etwas gibt es ja erst heute, sondern sogar die nachfolgende Generation hatte mit den Auswirkungen des 2. Weltkriegs zu kämpfen, denn die Väter und die Mütter waren belastet und gaben diese Altlast teils ungewollt an ihre Kinder weiter.
Was bedeutet das? Man wuchs zwar in der absoluten Wachstumsphase in Deutschland auf und es schein so als scheine wieder die Sonne für jeden, doch die Kriegsnachwirkungen auf psychischer Ebene waren immer noch spürbar, in der Erziehung, dem Verhalten und in der Sprache - nicht ohne Grund haben die 68er versucht dem ein Ende zu bereiten, in dem sie gegen all dies opponierten.
Doch zurück zu den Kindern, denn Bettina Alberti kann als ausgebildete Psychotherapeutin mit Schwerpunkt auf Trauma - Erfahrungen in ihrem Buch SEELISCHE TRÜMMER sehr gut mittels vieler Interviews Stellung beziehen. Interessant ist die Erkenntnis, dass ohne fühlen kein Mitgefühl möglich ist und die Tatsache das viele über Erlebnisse und den Drill nicht sprachen oder sprechen wollten - zeugt davon das viel im argen lag. Selbst mein eigener Großonkel wollte nach seiner 10jährigen Gefangenschaft kein Strebenswörtchen über seine Erlebnisse erzählen - wen wundert dies?!
Angst als Kontrollmittel, heute undenkbar, in den 50er und 60ern anscheinend üblich. Ein barscher Erziehungston war vielfach allgemein vorhanden, doch interessant erscheint mir auch das verbotene Gefühl von Stolz und Nationalbewusstsein zu sein, was sich erst heutzutage wieder Bahn bricht. Dies ist völlig positiv, wie Länder wie Frankreich, Großbritannien und die USA ebenfalls aufzeigen, hier ist Demokratie und Patriotismus untrennbar verbunden und gehen keine unheilige Kooperation ein.
Viel Leid und Trauer hatte es im Nachgang zum 2. Weltkrieg in Deutschen Familien gegeben, auch dies musste verarbeitet und durch - gelebt werden - wie von den Erwachsenne, so auch von den Kindern.
Seelische Trümmer von Bettina Alberti versucht dieses Problem der heute 40 bis 60jährigen anschaulich zu machen und fördert mit vielen Fallbeispielen zu eingehenden Studien auf. Zwar war nicht alles schlecht und viele versuchten sich erfolgreich in einem ganz normalen Leben - erfolgreich wie ich meine, doch die Fälle mit Problemhintergründen gab und gibt es zuhauf. Es wird mehr als vier Generationen dauern, bis dieses Problem langsam abnimmt.
Empfehlenswert!