Corinna Engel und Christian Kaiser ist es mit diesem Buch erneut gelungen, zu schockieren und zum Nachdenken anzuregen. Auch wenn inzwischen viele Bücher auf dem Markt zu finden sind, die sich mit dem Thema problematischer Jugendzeiten unverblümt beschäftigen, lässt einen dieses Portait nicht kalt, die Worte bringen einen Zeitweise zum Erschaudern, und diese Geschichte ist will gelesen werden!!!
Anja ist dreizehn Jahre alt und in ihrer Schulklasse irgendwie in eine furchtbare Außenseiterposition gerutscht. Eindringlich werden die Erfahrungen aus der Sicht des Mädchens geschildert. Dabei geht es nicht vordergründig um das, was passiert, sondern darum, wie sich das Mädchen dabei fühlt, wie sich ihr Verhalten anderen gegenüber erklärt, und was die psychisch und physisch grausamen Taten der Klassenkameraden mit ihr anrichten. Dabei kann sich durch die einfache und umgangssprachliche Schilderung jedermann in die Emotionen des Mädchens einfühlen. Jeder, der schon einmal das Gefühl hatte, dass die Welt gegen ihn sei, wird sich mit dem Selbsthass des Mädchens identifizieren können. Am meisten jedoch hat mich berührt, wie Anja die Schuld mehr und mehr bei sich selber sucht, bis sie schließlich alle Angriffe ihrer "Feinde" wehrlos über sich ergehen lässt, weil sie zeitweise sogar glaubt, sie verdient zu haben.
Gespannt war ich auf das Ende der Geschichte, weil ich mich fragte, wie die beiden Autoren das Mädchen aus dieser misslichen Lage befreien wollen. Kann man so ein Schicksal mit einem Happy-End abschließen?
Gegen Ende spitzt sich die Geschichte dramatisch zu. Um nicht zu viel zu verraten sei nur gesagt, dass sich Anja zuletzt in einer neuen Klasse wiederfindet und versucht, durch eine Therapie zu einem neuen Sebst(wert)gefühl zu finden. Ob es ihr jedoch gelingen wird, die vergangenen Erlebnisse hinter sich zu lassen, wird nicht beantwortet. Denn - wie die Autoren in ihrem Nachwort selbst sagen - eine Lösung für dieses Problem haben auch sie nicht parat.
Eine Lösung gibt es nicht und eine Lösung bietet auch dieses Buch nicht. Aber es soll Augen öffnen: Mitschülern, die den Gemobbten nicht helfen (können); Lehrern, die zu oberflächlich hinschauen, um die wahren Übeltäter der Klasse zu identifizieren; Schülern, denen es wie Anja geht und die sich nicht trauen, sich jemanden anzuvertrauen; und Eltern, die die typischen Zeichen an ihren Kindern entdecken und nicht wissen, wie sie helfen können.
Langer Rede - kurzer Sinn:
Es lohnt sich dieses Buch zu lesen und die Geschichte auf sich wirken zu lassen.
Und bei wem dadurch tiefergehendes Interesse an der Problematik von Jugend und Drogen geweckt wurde, der sollte sich unbedingt auch den Bildband
Heroin Kids der beiden Autoren zulegen.