Perlentaucher.de
Buchnotiz zu : Die Zeit, 19.09.2002
In einer Sammelrezension bespricht Bettina Engels unter anderem den jetzt publizierten, aus Anlass des 100.Jahrestags der "Traumdeutung" in der Pariser Sorbonne gehaltenen Vortrag von Jacques Derrida. In ihm geht es um den "politischen Gehalt der Psychoanalyse", der, wie Engels süffisant bemerkt, "nach guter französischer Sitte" nicht in der Befriedigung positiver, also etwa sozialverträglicher Wünsche liegt, sondern vielmehr in der "sadistischen Lust an der Grausamkeit". Derrida, so Engels, verbünde sich mit Freuds "pessimistischem Pazifismus" und deute ihn dekonstruktivistisch als Überwindung des Willens "zur Souveränität". Ist das nicht die gute alte Sublimierung in anderem Gewand?
© Perlentaucher Medien GmbH
Kurzbeschreibung
"Derridas fast zweieinhalbstündigen Gruß an die Generalstände der Psychoanalyse wird niemand, der dabei war, je vergessen." Frankfurter Allgemeine ZeitungIn einer Lektüre Freudscher Texte, die sich um den Begriff der "Grausamkeit" ranken, erkundet Derrida mögliche Antworten auf die Frage, worin die Krise der Psychoanalyse heute besteht. Ausgehend von der These, daß die Psychoanalyse der Name dessen sein könnte, was sich ohne jegliches Alibi dem Eigensten der psychischen Grausamkeit zuwendet, versucht Derrida die Möglichkeit zu denken, wie jenseits der Logik des Todestriebes Recht, Politik, und vielleicht sogar eine Ethik begründet werden könnten, die der psychoanalytischen Revolution wie auch den Ereignissen Rechnung tragen, die einen grausamen Wandel der Grausamkeit darstellen - den technischen, wissenschaftlichen, juridischen, ökonomischen, ethischen und politischen Veränderungen unserer Zeit.