Vishious ist dran.
Und er leidet so schön wie bisher vielleicht nur Zsadist.
Wie bei den anderen Brüdern erfährt man auch hier zunächst mal mehr über seinen Hintergrund, seine Vergangenheit und seine Abstammung - und das ist nun wirklich der Brüller, wer die liebe Mama ist!
Sein Vater jedenfalls war schonmal ein gnadenloser Sadist, der vor nichts zurückgeschreckt ist, man beachte die körperlichen Versehrtheiten, die V davongetragen hat.
Der innere Konflikt, in dem V sich befindet, seine Gefühle Butch betreffend, lässt seine Zukunft zunächst mal recht düster erscheinen. Aus dem vorhergehenden Teil wissen wir ja bereits, dass V etwas mehr für ihn empfindet, als gut für alle Beteiligten sein kann. Das Ausleben sexueller Perversionen als "Dom" sieht auch nicht gerade nach konventionellem Happy End aus.
Und dann wird er nach einem Zusammenstoß mit Lessern von Doktor Jane zusammengeflickt und nichts ist wie zuvor.
Fast zu leicht und schnell verschieben sich Vs sexuelle Präferenzen und die Macht der Hormone schlägt zu. Aber sie ist ein Mensch, wie soll es also weitergehen?
Und schwuppdich ist der erste Teil zu Ende und der Leser ärgert sich darüber, warum in der deutschen Fassung aus einem Buch zwei gemacht werden müssen. Wahrscheinlich, um den Leser in den Wahnsinn zu treiben und natürlich, um mehr Geld zu verdienen. Ätzend.
Neben der Haupthandlung dürfen wir die Entwicklung der Nebenfiguren weiter verfolgen: Darius Reinkarnation John, der so sehr darunter leidet, schwächlich zu sein und immer noch nicht durch die Transition gegangen ist; Phury, der sich wegen seiner Gefühle für die Frau seines Zwillingsbruders quält und sich Selbstmordphantasien hingibt, während er sein Dasein nur noch im Drogenrausch ertragen kann. Zsadist und Bella, deren Schwangerschaft nicht so komplikationslos verläuft, wie sie sollte. Und last but not least Thorment, der immer noch verschwunden ist, seit seine schwangere Frau von Lessern getötet wurde. Viele offene Handlungsfäden, die noch verknüpft werden wollen. Die nächsten Bücher sind also auf's Beste vorbereitet und die Neugier des Lesers geschürt.
Das, was die Geschichten von J.R. Ward zu einem Suchtmittel macht, ist nicht etwa die Tatsache, dass es um Vampire geht, dass die Action gut ist oder die Story so ausgefeilt - nein, was einen immer zum nächsten Buch zieht, ist diese rauschähnliche Achterbahnfahrt, wenn aus dem tortured hero ein geheilter Liebender wird. Und wir waren hautnah dabei!
Schreckliche Schicksale, körperliche und seelische Torturen immer an der Grenze des Erträglichen, soviel Leiden lässt den Leser nicht ungerührt. Besonders in weiblichen Fans muss das doch alle Knöpfe drücken. Man will helfen, heilen, bemuttern, lieben, alle Instikte flammen da auf. Und J.R. Ward versteht es wirklich, anschaulich die tiefe emotionale Bedürftigkeit dieser coolen "Supermänner" zu vermitteln, hach, wären doch alle Männer solche Sensibelchen im Supermann-Outfit! Und nach all dem Mitleiden und Mitfiebern die Befreiung durch das Happy End, einfach köstlich, direkt orgiastisch. Das kann J.R. Ward so gut wie nur wenige.
Man kann nörgeln und schimpfen über die Klischeehaftigkeit, den Schmalz und sich lustig machen über die stets überbordenden Emotionen, die hier vor uns ausgebreitet werden - aber kalt lässt uns das nicht, im Gegenteil. Alles surreal überlebensgroß: Leid, Freud, Liebe, Lust, Abenteuer, Heldenmut, gut und böse - alles, was Spitzenunterhaltung ausmacht. Die Autorin zieht uns eben durch diese lustvoll schmerzhaften Schilderungen vom Leiden am Rande des Wahnsinns und der Selbstzerstörung so tief in die Geschichte hinein, dass wir gar nicht mehr anders können als uns darin zu verlieren. Vor allem, wenn man weiß, dass alles gut wird. Das WIE ist das Spannende daran. Und weil sie uns mit ihren Büchern süchtig macht, warten wir ungeduldig auf den nächsten "Schuss" (das nächste Buch).
Literaturkritik ist hier nicht angebracht - nur zurücklehnen und genießen, phantastische Unterhaltung!