Inhalt:
Wenn Jake McAllister eines nie wieder tun wollte, dann ist es in seine Heimatstadt Rockville zurückzukehren, wo er seine sadistische Familie samt den dunklen Erinnerungen an seine Kindheit vor Jahren bereits zurückgelassen hat, um sich ein neues Leben aufzubauen. Der Anruf seiner Mutter und die Bitte seinem Bruder zu helfen, der sich auf seltsame Weise verändert und immer mehr in sich zurückzieht, erweichen ihn dann gegen seinen Willen doch.
Schon bei seiner Ankunft spürt Jake, dass ihm die Rückkehr nach Rockville nicht gut tut. Einmal abgesehen davon, dass alte Erinnerungen hochkommen und es ihn wieder nach Alkohol lüstet, dem er abgeschworen hatte, scheint hier irgendetwas nicht zu stimmen. Und das nicht nur mit seinem Bruder und der rattenscharfen Myra, mit der er zusammen ist. So gut wie jedes weibliche Wesen scheint abgrundtief verdorben, dennoch will Jake vorerst nicht den Teufel an die Wand malen und an eine riesige Verschwörung glauben. Erst als das Chaos um ihn losbricht und Rockville zur Schlachtbank wird, muss er sich eingestehen, es hier tatsächlich mit einer übermenschlichen Kreatur zu tun zu haben, der der Sinn nur nach einem steht: Seelen zu verschlingen.
Einschätzung:
"Seelenfresser" von Bryan Smith ist einer meiner ersten Ausflüge in das "moderne" Horror-Genre, aber sicherlich nicht der letzte, denn nun habe ich, wie man so schön sagt, "Blut geleckt". ;-) Grundsätzlich lese ich durch die Bank alles was mir in die Hände kommt, aber vor sinnfreiem "Abgeschlachte" habe ich bisher einen Bogen gemacht - man will seine wertvolle Lesezeit ja nicht verschwenden. Da muss ich mich nun wohl ein wenig korrigieren, denn für Bryan Smiths Geschichten werde ich künftig etwas mehr Zeit "opfern".
Worauf man sich hier einstellen sollte, ist, dass es völlig verrückt, ekelig, schockierend und auch abartig zugeht. Bryan Smith nimmt sich kein Blatt vor den Mund, sondern wirft seinen Lesern auch die härtesten Brocken vor die Füße, nach dem Motto: Nimm es hin, was ich zu schreiben habe, oder leg das Buch zur Seite - Punkt. Er schreibt klar und direkt und völlig schnörkellos, gespickt jedoch mit einem unterschwelligen Zynismus, sodass ich mir den Autor mit einem dreisten Dauerschmunzeln vorstelle, während er die Story niederschrieb. Der zynische Unterton kann hier aber auch an der Geschichte selbst liegen, denn durch den übersinnlichen Touch, den Bryan Smith dem Ganzen aufgedrückt hat, entzieht sich die Story natürlich etwas mehr der Realität, als ein üblicher Horror-Thriller. Oder aber es liegt daran, dass das Böse in Form von "femme fatale" auftritt ...
Neben der flotten Schreibweise wurde die Story in kurze, knackige Kapitel verpackt, was das Lesetempo enorm anzieht. Dabei wechseln ständig die Perspektiven und davon gibt es einige. Der Autor hat hier - neben Jake McAllister - sehr viele Figuren ins Rennen geschickt, die alle ihre Story zu erzählen haben. Was mich hier äußerst positiv überrascht hat, war, dass der Autor keine Pappfiguren losschickt, sondern seine Figuren lebendig macht, indem er ihnen Schicksale, Vergangenheiten, Stärken und Schwächen auf den Leib schneidert, was natürlich dazu beiträgt, das man als Leser Sympathiepunkte vergibt und zugleich noch mehr mitfiebert. Allen voran ist da natürlich Jake, den ich gleich nach den ersten paar Absätzen gut leiden konnte, aber auch die beiden Jugendlichen Kelsey und Will konnten in ihrer liebenswürdigen und zum Teil viel zu arglosen Art punkten.
Der nächste positive Aspekt war für mich, dass nichts auf den ersten Blick vorhersehbar war. Weder das Geschehen selbst, noch die Handlungen oder Absichten der Figuren. Wer auf den ersten Blick ein Opfer zu sein scheint, ist auf den zweiten ein Psychopath. Andere wiederum wachsen über ihr Tellerranddenken hinaus und beweisen Rückgrat, das man ihnen anfangs nicht zugetraut hätte. Da hat sich der Autor wirklich einiges einfallen lassen, um seine Leser zu unterhalten. Was das Ende betrifft hätte Smith allerdings noch ein wenig besser die Fäden miteinander verknüpfen können. Es bleibt zwar nichts offen, aber gerade bei einer Person, die anfangs maßgebend für die Story war, hätte ich gerne nicht nur ein, zwei Absätze über sein Schicksal als Rückblende erfahren - da hätte es ruhig noch eine Szene mehr sein dürfen.
Abschließend kann ich nur sagen, dass "Seelenfresser" mal eine willkommene Abwechslung zu meinem Lesealltag war. Auch wenn in wohldosierten Dosen, werde ich sicherlich wieder einen Abstecher in die moderne Horrorliteratur machen, die sich von klassischem Horror wohl nur dadurch unterscheidet, dass die Gänsehaut eher durch Abscheu und blutigem Grauen, als durch Grusel ausgelöst wird. :-)
Fazit:
Bryan Smith präsentiert mit "Seelenfresser" einen äußerst spannenden Horror-Thriller, der jedoch sicherlich nicht für Leser mit empfindlichen Mägen gedacht ist. Was hier serviert wird, ist ziemlich verrückt und abartig und lässt einen mehr als einmal die Nase rümpfen. Abgeschmeckt wird das Ganze durch lebhafte und teils sehr sympathische Figuren und einer guten Portion Action, mit einem Schuss Zynismuss seitens des Autors. Für dieses etwas andere Leseabenteuer gibt es von mir glatte 5 von 5 Punkten! (Cat)