Kurzbeschreibung
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Das Wort asana, das die Körperübung des Yoga im Allgemeinen beschreibt,
bedeutet übersetzt: sitzen. Das Sitzen selbst ist aber weniger äußerlich
und materiell zu verstehen, es ist viel mehr eine speziell gewählte
Position, die die Hinwendung zum Kosmos, zu einem großen Ganzen, zu Gott,
zu den höheren Welten symbolisiert. In der Sitzhaltung oder gewählten
Position begibt sich der Übende in einen empfindsamen, perzeptiven
Bewusstseinszustand. Der materielle Aufwand für den Übungsweg ist deshalb
denkbar gering. Die Praxis mit Yogaübungen erfordert lediglich eine ruhige
Wohnsituation, eine Matte als Unterlage und leichte, bequeme Kleidung.
(45)
Das Üben ist wie ein natürliches, empfindungsfreudiges Studium zu
betrachten, bei dem Sie sich die entsprechende Literatur über die
Seelengrundlagen des Yoga besorgen müssen und sich einige Zeit zum Üben
einräumen. Eine theoretische und praktische Auseinandersetzung mit den
Übungen, bei der Sie bis in die Tiefe der Gefühle erfüllt sein dürfen, ist
wichtig. Räumen Sie sich möglichst eine tägliche Zeit von einer halben bis
zu einer Stunde ein, um die Gedanken lebendig in das Gedächtnis
einzustudieren und in abwechselndem Maße die Stellungen zu praktizieren,
sie zu vervollkommnen und sie nach dem seelischen Gehalt zu untersuchen.
(46)
Alle Übungen sollten nicht in Verbindung mit Musik praktiziert werden, auch
nicht mit Meditationsmusik, denn die Musik führt zu sehr in eine
subjektive, träumende Welt. Es ist sehr wichtig, eine Disziplin des
anschaulichen Lernens, der konkreten, ruhigen Aufmerksamkeit, der
empfindungsvollen Hinwendung, der frohen Erkenntnissuche in dem Übungsweg
zu sehen und mit natürlichem Ehrgeiz zu üben, ohne Zwang, jedoch mit der
Bestrebung, einen Erfolg in der Entwicklung eines intensiveren seelischen
und moralischen Lebens zu wünschen. Sie können zu jeder Tageszeit die
Übungen praktizieren. (47)
Der Ätherleib ist ein feinstofflicher Leib, der die Lebenskräfte im Körper
organisiert und die Kraft der Gedanken stabilisiert. Eine regelmäßige
Praxis und bewusste Beschäftigung mit dem Gedankengut dieses Yoga ist sehr
vorteilhaft, da Sie durch die wiederholende Auseinandersetzung in
rhythmischer Folge eine gesunde Ätherkraft in Ihrer Gedankensphäre bilden
und Sie dadurch leichter zu den tieferen Empfindungen finden. Die
wiederholende, aktive Beschäftigung mit diesen Gedanken über die seelische
Welt und die nachfolgende Praxis mit Übungen führt zur Einstimmung des
Ätherleibes und zur Stärkung der Lebenskräfte. Neben dem gesundheitlichen
Wohlbefinden steigert sich die psychische Spannkraft, und es entwickelt
sich ein natürliches, sanftes Licht der Ausstrahlung, das ist ein Licht,
das sich heilsam über die Aura zu anderen verströmt. Die Einstimmung,
Aktivierung des inneliegenden Äthers durch Gedanken- und
Empfindungsentwicklung bewirkt eine erste Verlebendigung des Seelenlebens.
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In unserer westlichen Konsumkultur wird normalerweise eine Disziplin nur so
lange praktiziert, wie sie spürbare Erfolge und Vorteile verspricht. Lassen
aber nach einiger Zeit der Praxis die angenehmen Sympathiegefühle und
belebenden Energien, die sich durch die Faszination des Neuen ergeben,
nach, so geraten die meisten Übenden in einen Zweifel über ihre Disziplin.
Gerade aber von diesen Schwankungen des spürbaren und verwertbaren
materiellen oder gesundheitlichen Erfolges sollten sich Übende nicht
ablenken lassen, denn um zu einer tieferen Stimmung in der Seele zu
gelangen, ist es notwendig, eine gewisse Opferleistung der Arbeit und des
Verzichtes zu leisten, damit jene Grenzen einmal überschritten werden, die
notwendig sind, um von der Oberfläche in die tiefere Empfindungswelt des
wahren Seins vorzudringen. (49)
Die Übungspraxis sollte niemals zu einem Zwang werden, denn der Zwang ist
eine Eigenschaft des gebundenen Willens, in der einmal angekommen, der
Schüler keinen seelischen Erfolg finden kann. Nicht eine willentliche,
fixierte Praxis mit hartnäckigen Studiengängen kann den Erfolg für das
innere Seelenleben sichern. Es ist viel mehr die ausdauernde, ruhige,
achtsame, wiederholte, rhythmische und dynamische Pflege von den Gedanken,
die über den Yoga des Seelenlebens niedergeschrieben sind, und die
wiederkehrende Praxis, die den Erfolg für das innere Erleben geben. In der
Geduld und in einer positiven Erwartungshoffnung mit Wachheit und
Anerkennung zu den geistigen Welten, beginnen sich die richtigen Gefühle
und Erkenntnisse aus den unsichtbaren Höhen herabzusenken. Die Gedanken,
die Aufmerksamkeit und der Wille können nur auf wiederholte Weise und ohne
Zwang auf die Disziplin des Studiums gelenkt werden. Der Erfolg, der aus
diesen Arbeitsbemühungen zuteil wird, ist schließlich eine Angelegenheit,
die durch die Gnade der höheren Hierarchien beantwortet wird. (50)
Bei Ängsten oder bei anderweitigen gesundheitlichen Problemen sollten Sie
nicht ohne weitere Abklärungen von Seiten eines kompetenten Lehrers oder
eines Arztes die Übungen praktizieren. Ein Schulungsweg wie dieser
erfordert auf der einen Seite Entschlossenheit und Einsatzfreude, auf der
anderen Seite aber müssen alle Vernunftkriterien und notwendigen
Vorsichtsmaßregeln eingehalten werden. Es ist das Bewusstsein, das im
Mittelpunkt der Schulung angesprochen wird, und dieses sollte auf gesunde
Weise zu größeren Aktivitäten, inneren Möglichkeiten und sinnvollen
Erweiterungsschritten kommen. Obwohl ein Studium wie dieses sehr wertvolle
Hilfen bei Krankheiten und Leiden geben kann, so ist es hilfreich, wenn Sie
mit einem kompetenten Lehrer die individuellen Möglichkeiten und
Vorsichtsmaßregeln klären und Sie den Mut zur eigenständigen Beurteilung
der Praxis entwickeln. Allgemein ist das Studium für alle erwachsenen
Personen geeignet, jedoch kann in der Art des Übens, in der Zeitdauer und
in der speziellen Zielorientierung eine individuelle Veränderung
mitkalkuliert werden. (51)
Das Studium des Seelenlebens ist vergleichbar wie das Konstruieren und
Erbauen eines Hauses. Um ein Haus in der Architektur zu planen, ist es
notwendig, verschiedene Gesetze zu beachten und Ideen über die Konstruktion
zu erwerben. Ideen können in der Regel immer erworben werden, wenn der
Architekt bei klarem Bewusstsein ist und in der Kapazität seines
Fachgebietes steht. Der Architekt muss sich jedoch an die vorgegebenen
Richtlinien und vernunftgeprägten Maßstäbe halten, denn sonst wird seine
Planung zur Phantasterei. Das Seelenleben hat sehr wenig mit Phantastereien
und mystischen Versenkungszuständen in das untergründig unbewusste Dasein
zu tun. Die rechten Vorstellungen entwickeln sich durch das wiederholte
Studium von den Gedanken über das Seelenleben, und nach und nach entwickeln
sich über diese Gedanken die einzelnen Bausteine, um das rechte
Seelengebäude im Inneren zu erschaffen. An kranken oder beeinträchtigten
Tagen wird sich der Arbeiter auf der Baustelle nicht überfordern, und so
wird man sich an Tagen des Erschöpftseins nicht durch eine überspannte
Disziplin weiter in die Erschöpfung treiben. Mit Vernunft, Hinwendung und
Ausdauer gedeihen die einzelnen Schritte der Entwicklung zu einer tieferen
Liebe und Weisheit, und es ist eine Freude, die im Stillen das Leben
begleitet. Der Übende wird nach einiger Zeit bemerken, wie sein Innenleben
reichhaltiger erstrahlt und wie er durch seinen Stand im Leben die
Bestätigungen erhält, auf dem richtigen Wege zu sein. (52)