Worum es geht
Während der Bischofsweihe im Kaiserdom in Frankfurt trifft Sebastian seine Freundin Simone. Diese möchte einen Bericht in der Campuszeitung veröffentlichen. Doch statt der Fotos, die sie machen möchte, schafft es Sebastian sie dazu zu überreden, ihm in einen ausrangierten Beichtstuhl zu folgen.
In diesem Beichtstuhl werden die beiden ziemlich schnell intim. Simone genießt das prickelnde Gefühl, jeden Moment erwischt zu werden. Während des Geschlechtsaktes verändert sich die Situation jedoch dramatisch. Während Sebastian hinter Simone steht, sie liebt, holt er ein Tage zuvor verstecktes Rasiermesser aus einem Versteck hervor. Mit diesem schlitzt er kurzerhand die Kehle seiner Freundin auf. Zusätzlich verstümmelt er die Leiche, schneidet ihr ein Stück Gewebe aus dem Genick heraus und verschwindet durch die Menschenmenge.
Wenig später wir der Urlaub von Hauptkommissar Jim Devcon in den Staaten abgebrochen. Zurück in Frankfurt bildet er die SOKO Jack, benannt nach dem berühmten Ripper. Schnell wird klar, der Fall im Kaiserdom könnte mit einem anderen Fall im Zusammenhang stehen.
Die Spuren führen an die Uni, ins Internet, nach Frankfurt...
Kritische Worte
Eva Lirot liefert mit Ihrem zweiten Krimi ein wahres Meisterwerk ab. Die Einstiegsszene im Kaiserdom spiegelt einen gestörten Täters wieder, wie sie drastischer nicht hätte sein können. Und obwohl ich als Leser sofort weiß, wer der Mörder ist, schafft es Eva die Spannung immer weiter zu steigern. Was geschieht als Nächstes? Was hat es mit den eingeschobenen Gesprächen auf sich, die Lirot geschickter weise nach den Kapiteln um Sebastian einschiebt? Was für ein Motiv trieb Sebastian wirklich zu der Tat?
Ein weiterer Pluspunkt liegt darin begründet, dass die Polizeiarbeit authentisch dargestellt wird. Der Leser hat es nicht mit dem Superpolizisten zu tun. Hier ermittelt weder Der Bulle von Tölz, noch Kommissar Rex oder Horatio aus CSI. Eva Lirot zeigt kritisch auf, wie es um unsere Polizisten bestellt ist. Völlig überlastet, viele Fälle auf einmal bearbeitend müssen unterbezahlte Ermittler sich gegen Presse und das Ministerium behaupten. Fernab zahlreicher Fernsehserien ermittelt in Seelenbruch! ein Team aus unserem realen Umfeld.
Neben all der Ernsthaftigkeit, die von den Protagonisten an den Tag gelegt wird, baut die Autorin jedoch zusätzliche Stellen voller Humor in ihren Krimi ein. Neben einer Anspielungen auf World of Warcraft hat mich vor allem eine Stelle lachen lassen: Jeremiah H.S. Flowers! Lest Seelenbruch! und Ihr werdet mich verstehen.
Allerdings hat wie so Vieles auch diese glanzvolle Medaille eine Kehrseite. Eva Lirot hat ihren Krimi statt in der Vergangenheitsform gegenwärtig verfasst. Immer wieder hatte ich mit den Sätzen Schwierigkeiten, las die Wörter so, wie sie nicht dort standen. Das kann jedoch keineswegs abwertend gedeutet werden, denn jeder Leser liest anders.
Mein Fazit
Eine Perle in einer Muschel zu finden bedarf einer Portion Glück. Doch wenn ich nicht nach einer Perle suche, werde ich niemals eine finden. Und somit tauche ich immer öfters in den Gewässern, die nicht von den großen Verlagen durchzogen sind. Seelenbruch! wurde im Schardt Verlag veröffentlicht. Die Wenigsten werden bisher von diesem Verlag gehört haben. Mit diesem Roman findet auch Ihr heraus, dass es sich lohnt, das Unbekannte zu erforschen.
Daher lautet meine Empfehlung für diesen Roman: Unbedingt lesen!