Ein wirklich lesenswertes und nützliches Buch, geschrieben 2003 von einem Juden, der 1991 nach Israel eingereist war und sich dort niedergelassen hatte, über seine und allgemeine Erfahrungen mit dem Staat Israel und seinen Bewohnern. Da er Jude war (2009 verstorben), kann ihm keiner den Vorwurf des Antisemitismus machen, grandios.
Das Buch ist eine wahre Fundgrube eines empathischen und auch psychologisch gebildeten Autors. Allein das Kapitel über "Soziale Verhaltensmuster" sorgt bei jedem ehemaligen Israel-Urlauber für Erleuchtung. So schreibt er etwa: "Narzissmus. Wohl in keinem anderen Land der entwickelten Welt durchdringt er in seiner individuellen und gesellschaftlichen Ausprägung das Leben so stark wie in Israel." (S.141) Dadurch bedingt: "Eng mit der Gewaltneigung verwandt ist die zu beobachtende Neigung zur Ausbeutung." (S.151) Oder schon putzig: "Reisegruppen aus Israel (sind) in der ganzen Welt nicht nur unbeliebt, sondern sogar gefürchtet." (S.156)
Wohlgemerkt: Das Buch ist keine antiisraelische Propaganda, sondern ein Erfahrungsbericht eines aufmerksamen jüdischen Insiders, der sich eine gesunde Distanz bewahrt und die Antisemitismuskeule nicht zu fürchten hat.