"Rattatá Rattatá Rattatá./ Eine Zeit lang hatten alle Mädchen schwarze Kreise statt der Augen gehabt, mondäne Eulengesichter mit feuerrotem Querschlitz darin: Rattatá."
So beginnt die Erzählung "Seelandschaft mit Pocahontas", 1955 veröffentlicht, die Walter Kempowski zur "wohl schönsten Liebesgeschichte" Arno Schmidts ernannte. Und mit diesen Anfangsworten ist auch schon der Weg der Erzählung vorgezeichnet: Im ganzen Buch nämlich wimmelt es nur so von Assoziationen, Metaphern und Neologismen. Durch den unglaublichen Reichtum an Stilmitteln rückt die Handlung - wie so oft bei Schmidt - in den Hintergrund. Nicht die zweifellos banale Handlung - zwei Freunde treffen sich nach Jahren wieder, gehen zusammen in den Urlaub, stoßen dort auf zwei Frauen, verbringen mit diesen ein paar schöne Urlaubstage und gehen dann wieder unbeschwert und glücklich auseinander - beeindruckt, sondern die Darstellung der Handlung, schlichter gesagt: die Sprache Arno Schmidts. Man muss sich auf diesen einzigartigen Stil einlassen, muss ihn nahezu verinnerlichen, um dieser Erzählung etwas abgewinnen zu können. Denn lässt man sich nicht auf die anfangs etwas skurril anmutende Erzählweise des Autors ein, wird einem schnell die Lust an der Erzählung vergehen, man wird die Lektüre enttäuscht und vielleicht auch entnervt weglegen und wahrscheinlich nie wieder ein Buch von Arno Schmidt zur Hand nehmen. Geduld und Konzentration fordert diese Erzählung von uns.
Wer Geduld und die nötige Konzentration aufbringen und sich noch dazu für die Erzählweise Arno Schmidts begeistern kann, dem wird dieses Werk pures Vergnügen bereiten. Doch fürchte ich, dass sich nur eine kleine Minderheit an dieser Erzählung vergnügen kann - sei es wegen fehlender Geduld oder einfach der Erzählweise Arno Schmidts wegen. Auch mir fehlte leider viel zu häufig die nötige Geduld, um der Erzählung das ein oder andere abgewinnen zu können.
All denjenigen, die bis jetzt noch nichts von Arno Schmidt gelesen haben, empfehle ich: Lassen Sie sich ein auf das "Abenteuer" Arno Schmidt und lernen Sie diesen ungewöhnlichen Schriftsteller kennen, dessen Erzählweise sich radikal von anderen Schriftstellern abgrenzt und der auch deshalb als der Außenseiter der deutschen Nachkriegsliteratur gilt.