Nachdem der 2. Klufti ("Erntedank") m.E. eine gewisse Steigerung der Qualität mit sich brachte, fiel Seegrund dann doch wieder ein wenig ab.
Positiv fällt auf, dass die Autoren nicht einfach die gleich Handlung und Struktur an einen anderen Ort verlegen, was mir z.B. extrem negativ beim neuen Dan Brown aufgefallen ist, sondern versuchen andere Ideen zu entwickeln. So finde ich den Rahmen mit der Nazivergangenheit und den rückwärts laufenden Einschüben gelungen umgesetzt. Klar ist das hier kein Thriller, aber baut doch einen vernünftigen Spannungsbogen auf. Die Wirrungen und Irrungen sind genau so plausibel wie die Auflösungen.
Nun wird aus einer Reihe keine Reihe, wenn es nicht wiederkehrende Elemente gibt. Hier halt das Privatleben des Protagonisten. Und viele die über das konservative Familienbild, die Peinlichkeiten etc. schimpfen sollte sich 2 Dinge vor Augen halten: 1) Kluft ist über 50, d.h. sein Lebensstil entspricht dem der Generation Wirtschaftswunder. Wir sind hier in der Provinz, wo ist die Überraschung. Das sehe ich so oder ähnlich zu Hauf ... 2) Wie immer in der Fiktion werden Figuren überspitzt dargestellt. So auch hier. Das ist keine Dokumentation des Allgäuer Lebensstils.
Letztendlich ist der große Kritikpunkt, das im 3. Band die Peinlichkeiten einfach nur noch peinlich sind. Es sind zu viele und sie wiederholen sich. Dazu kommt noch, dass Klufti sich nicht weiterentwickelt. Warum kann er nicht mal 'ne Stunde mit Frau Henske PC-Übungen machen und vor dem Maier prahlen? Warum nicht alle auf eine Fortbildung schicken?
Alles in allem ein sehr solides Buch. Wenn Erntedank eher zu 4 Sternen tendiert ist es hier eine 3+. Ich habe schon deutlich schlechtere Bücher gelesen und mich auch weit weniger amüsiert. Wenn man den eher gemächlichen Verlauf eines "Landkrimis" mag, kann man mit den 8,95¤ fürs Taschenbuch nicht viel falsch machen.