Ich hatte zunächst die ersten beiden Rezensionen gelesen und war daraufhin ziemlich skeptisch, was das neue Werk von Kinks-Mastermind Ray Davies angeht. Nach einigem Zögern, und eigentlich nur der Vollständigkeit halber habe ich mir dann aber trotzdem die CD gekauft. Und jetzt frage ich mich: Welche CD haben wohl die beiden ersten Rezensenten im Player gehabt? Sicher nicht "See my Friends"!
Denn dieses Album klingt, obwohl das Songmaterial wirklich ALT ist (der neueste Titel stammt im Original von 1971), als wäre es heute, anno 2010, geschrieben worden. Der Witz und die kritischen Anmerkungen, die Ray Davies seinen Songs mit auf den Weg gegeben hat, sind heute so aktuell wie vor vierzig (!) Jahren, und die Musik schreit geradezu danach, von aktuellen Künstlerinnen und Künstlern interpretiert zu werden. Und ich muss sagen, Metallica lassen es ordentlich krachen, Amy MacDonald bringt "Dead End Street" mit ihrem bezaubernden schottischen Akzent ganz hervorragend rüber, von alten "Haudegen" wie Bruce Springsteen oder Jon Bon Jovi ganz zu schweigen. Alles Perlen auf einem Album nahezu ohne Schwachstellen. Auch die weniger bekannten Interpreten wie Marcus Mumford und seine Truppe oder Gary Lightbody fallen nicht ab, sondern verleihen dem Ganzen noch einige neue, unerwartete Facetten. Mein persönlicher Favorit und Anspieltipp (auch, weil ich mir eine Neuaufnahme dieses Titels überhaupt nicht vorstellen konnte, noch dazu - man denke an den Text! - von einer Frau gesungen), ist aber eindeutig "Lola" mit der herrlich schrägen Paloma Faith.
Wohlgemerkt, ich bin ein riesiger Fan der Original-Musik und habe so ziemlich alles von den Kinks und den Davies-Brüdern im Regal, müsste also Neuaufnahmen eigentlich eher ablehnend gegenüber stehen. Aber dieses Album ist so frisch und schwungvoll, es macht einfach Spaß! Wir werden wohl keine neue Kinks-Platte mehr zu hören bekommen, aber das hier ist gleich danach das Beste, was machbar ist. "See my Friends" wird noch ziemlich lange nicht aus meinem Player raus kommen!