Nachdem Saga in den 80ern einen Hit nach dem anderen landeten und wirklich gute, innovative und kreative Musik machten, wurde es etwas "konfus" um sie. Ihr Markenzeichen war die perfekte Symbiose zwischen progressiven Elementen und Radiotauglichkeit.
In den "unrühmlichen" 90ern suchten sie nach einem neuen, anderen Stil und lieferten eine riesige Bandbreite innerhalb des Rockmusik-Genrens. Man schaue/höre sich doch dazu einfach mal die Sprünge und Gratwanderungen von "Steel Umbrellas" (1993), über das vorliegende Album und den Nachfolger "Generation 13" (1997), bis man schließlich bei "Full Circle" (1999) landet, wo sie mit großem Erfolg wieder zu ihren Wurzeln finden.
Das vorliegende Album ist also eines dieser "Experimente" in den 90er Jahren und es ist, wie ich finde, verhältnismäßig gut gelungen. Damals für Saga noch untypisch hart und roh kommen die Gitarren rüber und verleihen dem ganzen eine gute Prise Aggression und Drive. Die Keyboards sind ein wenig in den Hintergrund geraten und tragen dort mit "Flächenarbeit" eher zur Atmosphäre bei, als wirklich eine tragende Rolle zu spielen. Dazu kommen die saga-typischen Ohrwurmmelodien, die einen immer wieder mitreißen. Die Platte erinnert hier und da auch etwas an Bon Jovi und bei den Refrains denkt man an wehende Löwenmähnen...
Mit seinem stadionmäßigen Hymnenrefrain dürfte der Song "Without You" wohl als für dieses Album "typisch" angesehen werden.
Mein Anspieltip "I'll Leave It In Your Hands" fängt mit fetten Keyboards und treibenden Bässen an und arbeitet sich über eine packende Bridge langsam wieder zu einem Bombastrefrain und krachenden Gitarren.
Die Ballade "Alone Again Tonight" kommt wieder etwas belanglos-schwülstiger daher, mit viel Hall in Sadlers Stimme.
Mein zweiter Anspieltip "Mind Over Matter" bietet wieder schöne, kräftige Gitarrenarbeit, treibendes Tempo und einen knackigen Refrain.
Alles in allem eine schönes Album mit starken Momenten, weit besser als so einiges was sonst noch in den 90ern produziert wurde.
Musikalisch aber ist es eher simpel geraten. Saga klammert sich hier noch kräftiger an das Songformat, als sie es sonst getan haben und schafft es hier definitiv nicht, ihr musikalisches Potential aus zuschöpfen. Das führt dann dazu, dass man sich dieses Album auch recht schnell wieder überhört...
Dass sie das innovative und trotzdem packende Songwriting nicht verlernt haben zeigen die Jungs um Michael Sadler wieder etwa auf dem Album "House of Cards" (2001)! Aber, eigentlich ist alles was sie ab "Full Circle" liefern hochwertige Qualitätsware!