Sekretary ist ein weiterer Film mit zu wenig Aufmerksamkeit. Wer wie ich, langsam aus dem Alter raus kommt, wo man sich stumpfe Hirnzellenabtöter antut. Dem möchte ich dieses filmische Juwel ans Herz legen.
Maggie Gyllenhall spielt in diesem Film die junge Frau Lee. Am Anfang des Films, ist sie gerade aus einer Nervenklinik entlassen worden. Dort war sie gelandet, weil sie sich selbst Schnittwunden zugefügt hat. Zu Hause bei ihren Eltern fällt sie aber schnell wieder in ihr zwanghaftes Verhalten zurück. Ihr Vater ist ein starker Trinker, die Mutter ist den ganzen Tag damit beschäftigt alles nach heiler Welt aussehen zu lassen und die Schwester ist so ekelhaft glücklich, das man sie nur hassen kann. Doch ihr Leben nimmt eine dramatische Wendung, als sie einen Job als Sekretärin, bei Edward, gespielt von James Spader, annimmt. Edward ist Anwalt und hat ebenfalls psychische Probleme. Ein perfider Ordnungssinn und eine tiefe Furcht vor seiner eigenen Umwelt quälen ihn und haben ihn in eine eigene isolierte Welt getrieben, in die er sich immer wieder zurück zieht, um Schutz und Zuflucht vor seinen eigenen Gefühlen zu finden.
Nach einiger Zeit beginnt Edward dann, Lee ständig zu kritisieren. Ihre Tippfehler, ihr tippeln mit dem Fuß und viele andere Kleinigkeiten. Lee ist zunächst eingeschüchtert von ihrem Chef, doch als dieser ihr sagt (befiehlt), dass sie sich von nun an keine Schnittwunden mehr zu zufügen braucht (darf), empfindet sie eine tiefe Dankbarkeit für Edward, der als erster Mensch verstanden hat, warum sie sich diese Schnittwunden zugefügt hat. Von nun an blüht Lee auf wie eine Blume. Sie befolgt die Anweisungen ihres Chefs und genießt seine Züchtigungen und Bestrafungen, die immer mehr in eine masochistische Richtung gehen. Doch Edward bekommt Angst, er ist überwältigt von seinen Gefühlen die er für Lee entwickelt hat und ist angewidert von seinen eigenen sexuellen Obsessionen. So entzieht er Lee seine Zuneigung wieder und versucht zu einem professionellen Arbeitsverhältnis zurückzukehren. Lee gibt aber nicht auf und versucht mit allen Mitteln Edwards Zuneigung zurückzugewinnen.
Der Film ist sicherlich nicht jedermanns Geschmack. Die sexuellen Neigungen von Lee und Edward könnten sicherlich für manchen zu anstößig sein. Aber der Film gibt in dieser Beziehung keine Wertung ab, sondern überlässt, wie so vieles, dem Zuschauer. Oftmals gibt es Situationen in denen man nicht weiß ob man lachen oder weinen soll. Zum Schluss möchte ich noch mal betonen, dass es sich bei diesem Film nicht um ein ernstes Drama handelt, sondern eher um eine Rabenschwarze Komödie, die es vom Romantikfaktor mit Hochkarätern wie Schlaflos in Seattle und ähnlichen aufnehmen kann. Nur aus einer anderen Perspektive die dunkler, schmerzvoller und zynischer ist und somit, trotz seiner skurilen Szenen und Charaktere, authentischer.