Vorab - für die Verlorenen, die anno 2012 als Erstspieler hierher gefunden haben: ich spoiler ein wenig ;).
Was alles so passieren kann, wenn man selbst ein wenig trottelig ist und dazu noch mit der Dorfdumpfbacke unterwegs ist, um ein bisschen am Wasserfall zu spielen. Da balanciert man noch, dann fällt man mal eben den Wasserfall runter und schon lockt da so ein schön schimmerndes Schwert. Hm, ob es wohl was zu bedeuten hat, dass es in einem Stein steckt? Na ja, man braucht jedenfalls was, um das Buschwerk zu zerschlagen, das den Weg heimwärts versperrt. Und siehe da - mal fix dran gezogen ... und schon hält man es in der Hand! Dass es so einfach ist ...
Zurück im Dorf (Wieso war der Weg dorthin eigentlich auf einmal voller Monster?) wird man dann allerdings recht schnell auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt. Nix mit Held sein - eher ist man auf einmal der Gemiedene, der neue Dorfdepp. Da hilft es auch nix, dass man rasch eine riesige Gottesanbeterin vertreibt, die sich dort rum treibt, ohne da was zu suchen zu haben. Fakt ist, wird einem schnell klar gemacht: Das Schwert gehörte in den Stein. Punkt. Und man selbst ist anscheinend schuld daran, dass all die Monster aufgekreuzt sind. Also wird sich, ganz dorf-kollegial, beratschlagt. Ergebnis: Man muss weg. Und zwar schnell. Immerhin hat sich gerade ein fremder Reisender dorthin verirrt und gibt einem einen Anhaltspunkt: Komm in den Wassertempel!
Also los - raus aus dem Dorf (das war ohnehin nicht so besonders spannend) und rein in ein ganz gewaltiges Abenteuer: Secret of Mana.
Zugegeben, meine Einleitung ist etwas lang geworden für so einen kleinen Ausschnitt. Aber: wer das Spiel damals gespielt hat, kann sich vielleicht noch daran erinnern, wie man auf einmal vor dem Dorfwächter stand und wieder rein wollte und nicht durfte. Und wie man dann etwas trotzig losgezogen ist - auf in die Welt. Von daher: der Einstieg in das Spiel ist gelungen - und der weitere Verlauf auch.
Ob durch fiese Hexenwälder und -schlösser, Wüsten, verwunschene Berge und Höhlen, Eis- oder Feuertempel ... so alle Szenarien, die das Abenteurerherz begehrt, bietet die Welt. In dieser bewegt man sich frei; später bekommt man aber die Möglichkeit, mithilfe eines eigenen Drachens (*klingelingeling*) oder des Kanonen-Reisebüros (*es lebe der Komfort*) gewisse Abkürzungen zu nehmen, sodass man nicht den ganzen Weg zu Fuß zurücklegen muss durch die recht große Welt. Dazwischen warten unzählige Schatztruhen und Monsterarten (inklusive unglaublich vieler Bossgegner) und Waffen, Rüstungsgegenstände und Zaubersprüche und -geister und nette Menschen und nicht so nette Menschen, Städte und Dungeons, witzige und dämliche Dialoge ... und nicht zu vergessen: zwei loyale und - im wahrsten Sinne des Wortes - zauberhafte Begleiterinnen. Einmal ein Mädchen, das von zuhause abgehauen ist, um seinen Verlobten zu finden (es kann Heilzauber) und eine unter Amnesie leidende Koboldin, die nicht nur einen ganz eigenen Koboldhumor hat, sondern auch kräftige Angriffszauber sprechen kann.
Die Möglichkeiten sind wirklich ansehnlich. Man kann sich aussuchen, wen der drei man spielen mag, das ist immerzu wechselbar, dazu können die Menüs und Angriffsbefehle der anderen immer aufgerufen werden. Für damalige Verhältnisse nahezu revolutionär: man kann das Spiel auch zu dritt spielen! Es gibt massig Zauber und massig Waffen (8 verschiedene Typen, die man in der Schmiede umwandeln kann), viele Gegenstände und ganz besonders: viele Rüstungen. Waffen und Zauber lassen sich aufleveln und haben dann auch verschiedene Attacken. Pro Gegner gibt es Goldmünzen - damit man sich auch schön alles kaufen kann.
Dazu ist die liebevolle, teils witzige, teils traurige Story noch von einer wunderbaren Musik untermalt, sodass Secret of Mana wirklich eines der besten damaligen (und heutigen?) Spiele ist. Ganz wunderbar und auf jeden Fall eine riesige Truhe Nostalgie.
Kritikpunkte? Die Begleiter(innen) bleiben dann und wann hängen, sodass man erst ein wenig fuchsen muss, um weiterzukommen. Dann die Endgegner - sie sind sehr zahlreich und unterschiedlich, das Verhältnis zwischen Magie und normalen Waffen ist leider nicht sehr ausgewogen. Heißt: die Magie ist viel zu stark bzw. die Endgegner zu schwer, wenn man sie ohne Magie zu besiegen versucht (das ist allerdings schön und eine Herausforderung, wenn man das Spiel nicht zum ersten Mal spielt). Das ist ein wenig schade, weil sie so wenig mit Taktik zu tun haben, sondern vielmehr: eeeeewig Magie aufleveln und dann stumpf die Bosse plätten.
Ansonsten ist Secret of Mana wirklich ein Spiel, an dem es so rein gar nix auszusetzen gibt!
Let's go retro ...
P.S.: "Für wie pädagogisch wertvoll halten Sie diesen Artikel?" - Aber hallo, was für eine Frage? Volle fünf Sterne natürlich, weil es nicht nur generationsprägend war, sondern ... äh ... weil ich bei diesem Spiel zum Beispiel den Unterschied zwischen al dente und weichgekocht kennengelernt habe damals. Und weil ... ich nach dem Spielen wusste, was eine Amnesie ist. Und weil ... das ist doch schon was! :D