Ich kann mich noch gut erinnern, als ich diese Platte das erste Mal auflegte und böses ahnte, als die ersten Trommelschläge den Titelsong einleiteten. Das war nicht der Sound, den man von einer Jeff-Lynne-Produktion gewohnt war, und der Eindruck blieb bis zum Schlußakkord des letzten Liedes. Um es kurz zu machen: Diese ELO-Platte hat keinen Jeff-Lynne-Sound und keine gewohnt guten Jeff-Lynne-Songs. Man hat den Eindruck, als hätte Lynne versucht, jemand anders zu sein, Mike Oldfield oder Mark Knopfler, und das mußte schiefgehen. Noch zwei Jahre zuvor hatte das ELO-Mastermind eine überzeugende Performance mit dem Album TIME geliefert, wo er gewohnt souveränes Songwriting und perfekte, lebendige Produktion im Griff hatte. Diesmal war alles anders, die Technik hatte Lynne im Griff nach dem in den 80ern so beliebten Motto 'ich kauf mir 'nen Synthesizer und ne Drummachine und kuck mal was passiert'. Das Ergebnis, gepaart mit drittklassigen Songs aus Lynnes Mülleimer ist verheerend, und man fragt sich, was ihn geritten hat, um so lustlose, uninspirierte und einfach miserable Schema-F-Kompositionen wie 'Loser Gone Wild', 'Letter From Spain', 'Train Of Gold' oder 'Take Me On And On' abzuliefern - glattpolierte, Lynne-untypisch dünne Schlagzeugsounds, ultracleane seelenlose Gitarren und billige Synthiklänge verursachen beim Hörer nur noch Kopfschütteln. Die besseren Songs auf Secret Messages leiden denn auch gehörig unter der Produktion: 'Bluebird' könnte auch auf dem Lynne-produzierten Into The Great Wide Open von Tom Petty sein, relaxte Rhythmusgitarren und angenehmer Vierviertelbeat tragen dazu bei, aber einige sample-artige Chorstellen und die Plastiktoms aus dem Computer sind wieder völlig unnötig. 'Four Little Diamonds' erinnert an 'Don't Bring Me Down' vom 79er Album DISCOVERY, gute Melodie und Lynnes Gesang gefallen gut, aber auch hier wieder Scheppertamburin aus dem Rechner und quietschige Casio-Keyboardsounds - grauenhaft. Mehr gute Songs sind auf diesem Album nicht zu finden, und wenn man bedenkt, daß Secret Messages als Doppelalbum angelegt und bereits aufgenommen war, kann man nur froh sein, daß uns dies erspart blieb. Lynne nahm drei Jahre später noch das letzte ELO-Album Balance Of Power auf, das wieder überzeugen konnte, und widmete sich danach der Produzententätigkeit für andere Künstler, bei der er den Jeff-Lynne-Sound verfeinerte und zu seinem Markenzeichen machte, ein Markenzeichen, das man bei Secret Messages so schmerzlich vermißt.