Diesen Sommer verbrachte ich drei Wochen in Cork, Irland in einer Gastfamilie und ging in eine Sprachschule. Meine Lehrerin, Triona, die selbst bekennender Divine Comedy Fan ist, spielte meiner Klasse Gin Soaked Boy vor mit den Worten "Ich kann mir nur halb vorstellen, wie betrunken Neil Hannon gewesen sein muss, als er dieses Lied schrieb." Als ich es dann hörte verstand ich, wie sie es meinte. Gin Soaked Boy ist ein Lied über das Betrunkensein, so jedenfalls ihre und auch meine Interpretation, denn aussprechen tut er es nicht wirklich. Er singt "I'm the darkness in the light, I'm the leftness in the right, I'm the rightness in the wrong, I'm the shortness in the long" usw...Lieder wie Gin Soaked Boy, mit einem humorvollen, gute Laune machendem Text sind auch "I've Been To A Marvellous Party", in dem Hannon mit Techno Beats überrascht, "National Express" mit der genialen Zeile "But it's hard to get by, when your arse is the size of a small country", "Something for the weekend", "The Pop Singer's Fear Of the Pollen Count"- ein Lied über Heuschnupfen und "The Frog Princess" ("I met a girl, she was a frog princess, I guess I ought to make it clear, that I saw nothing through her see-trough dress")
Aber Neil Hannon kann auch ernste Lieder singen, wie z.B. "Lucy", das absolute Highlight für mich auf diesem Album. Mit wunderschönem Altenglisch beschreibt er die Geschichte von Lucy und seiner Liebe zu England in einer metapherreichen Sprache ("I travelled among unknown men, in lands beyond the sea, nor England did I know 'til then, what love I bore to thee"). Wunderschön ist auch "Too Young To Die" ("Too young to die, but too old to survive") in dem die tiefe, kräftige Stimme von The Divine Comedy erst so richtig zur Geltung kommt.
Gesellschaftskritisch wird Hannon auf "Generation Sex" und "The Certainty of Chance". "Becoming More Like Alfie" ist auch ein Highlight auf der CD, bei dem der Ire selbstkritische Töne anschlägt.
Die Musik ist wie die Texte sehr facettenreich und detailliert. Teils ein bisschen irisch ("Lucy", "Songs Of Love"), teils ein bisschen poppig ("Tonight We Fly, Everybody Knows"), aber wie gesagt gibt es auch Techno-Einflüsse in "I've Been To A Marvellous Party".
Alles in allem eine sehr gelungene und einfallsreich CD, die uns die Gefühlswelt von Neil Hannon alias The Divine Comedy offenbart.