Er hat's nicht leicht, der arme Adrian Mole: Kein Mensch hat Verständnis für seine intellektuellen Ambitionen -- immerhin hat ihm die BBC schon einmal seine Gedichte zurückgeschickt -- und für die Auswirkungen von Pickeln und chaotischen Familienverhältnissen auf seine feinsinnige Künstlernatur. Seine Eltern wollen sich scheiden lassen, jeder von ihnen hat bereits einen neuen Partner: Seine Mutter einen gewissen Mr Lucas, und sein Vater eine gewisse Doreen Slater samt deren unerträglichem kleinen Sohn Maxwell. Außerdem ist Adrian verliebt, und dass seine Auserkorene auch noch Pandora heißt, scheint kein Zufall... Dann wären da noch der herrlich verschmuddelte Rentner Bert Baxter mit seiner Freundin Queenie und seinem gemeingefährlichen Schäferhund Sabre; Adrians (mitunter ehemaliger) bester Freund Nigel; ein wohlmeinender Lehrer, der bald sein Angebot bereut, dass jederzeit jeder Schüler mit seinen Problemen zu ihm kommen darf; Adrians sarkastische Großmutter; die bis ins Mark britische Nachbarschaft, und noch einige andere.
All seine Liebes- und anderen Nöte vertraut Adrian brühwarm und in allernaivster Harmlosigkeit seinem Tagebuch an. Wie er das chaotische Familienleben und sein nicht minder verqueres Seelenleben akribisch festhält, wie er fassungslos das irrationale Verhalten der Erwachsenen protokolliert, wie ihm wohl als einzigem der Durchblick abgeht -- das sprüht vor Situationskomik.
Ganz nebenbei wird auch noch das Thatcher-England der 1980er Jahre aufs Korn genommen. Falklandkrieg und Jugendszenen von den Punks bis zu den Poppern, politisch ambitionierte Schülergruppen -- alles gehört zum britischen Alltag der Zeit, und diesen Alltag lernt man aus Adrian Moles 13 3/4-jähriger Perspektive kennen.
Britische Hochkomik vom Feinsten. Allerdings keine Brachialkomik. Wie in "The Queen and I" schafft es Sue Townsend auch hier, platte Gags zu vermeiden und vor allem: ihren Figuren Leben einzuhauchen: Ihre Figuren, so komisch sie auch sein mögen, bewahren sich immer ihre Würde. Die Pointen sind daher auch beim x-ten Wiederlesen immer noch geistreich und witzig. Witzig -- und melancholisch zugleich. Man kriegt sich nicht mehr ein vor Lachen, und man ist dankbar, den 14. Geburtstag schon länger hinter sich zu haben, denn ein klein wenig lacht man auch immer über sich selbst. Vielleicht ist gerade das der Grund, warum man dieses Buch so liebt und es immer wieder zur Hand nimmt.