"I had no particular joy making it", sagte Anna Maria Jopek jüngst in einem Interview über das Album "Secret".
"Secret" ist im Grunde ein Kompromiss. Das erste internationale Album "Barefoot" hat sich schlecht verkauft, weil
kein Mensch verstanden hat, was die gute Dame da eigentlich singt. Ein Nischenprodukt eben. Universal in London
hat ihr zu verstehen gegeben, dass sie ihre Musik auf diese Weise nicht an den Mann bringen können. Diesmal hat sie alles in der englischen Sprache eingesungen, in die Albumpromotion wurde viel mehr Geld gepumpt, der Ex-Manager von Diana Krall engagiert und schwupps...die Strategie geht auf.
Im Grunde ist dieses Album nicht sonderlich einfallsreich oder speziell. Es handelt sich um einige Lieder aus einem ihrer polnischen Alben, einem ziemlich guten übrigens, die aber diesmal mit einem seichteren englischen Text versehen wurden, dann noch einige Coverversionen, natürlich von Großmeister Sting, den Anna Maria Jopeks Leute seit Jahren dazu bewegen möchten, endlich ein Duett mit ihr aufzunehmen, komme was wolle. Dann war da noch Pat Metheny, der auch über Jahre anvisiert worden war und letztendlich zusagte. Herausgekommen ist das schöne Album "Upojenie", das aber leider fast ausschließlich gecoverte Kompositionen von Methey beinhaltet. Nichtsdestotrotz würde ich es als fantastisch bezeichnen,da das alte Material kunstvoll umarrangiert wurde. Es war auch dieses Album, das AM Jopek den Weg ins internationale Musikbusiness ebnete. Und dieser Weg mündete leztendlich in dem Album "Secret".
Für Einsteiger ist das Album sicher zu empfehlen, für AMJ-Kenner eigentlich nicht. Ihr frühes Werk war einfach besser. Wer es nicht glaubt, der möge sich damit auseinandersetzen. Feine handgemachte Musik, ehrliche und schöne Texte, weniger Marketing, mehr Bescheidenheit. Früher standen nicht die "großen Namen" der Musiker, mit denen sie arbeitet, im Vordergrund, sondern ihre Musik. Jetzt geht es nur noch darum, mit den Musikern zu arbeiten, die Sting am nächsten stehen (Mino Cinelu), womit sich die Sängerin auch regelmäßig und unermüdlich auf der Bühne und in ihren polnischen Interviews rühmt. Insgesamt steht jetzt nicht mehr so sehr die Musik im Mittelpunkt, sondern Namedropping. Man könnte schon fast meinen, die Sängerin wäre einem "Sting-Wahn" verfallen. Das wussten die Damen und Herren aus der Marketingabteilung auch zu nutzen und platzierten gleich zwei Sting-Cover auf "Secret". Das wurde wiederum auf Stings (auch bei Universal) Webseite schön angekündigt, und so schließt sich der Kreis.
Von mir gibt es leider nur drei Sterne. Gesundes Mittelmaß.