Sie kennen das bestimmt: man denkt sich etwas aus, zum Beispiel eine Person. Für ein Buch. Oder ein Rollenspiel. Oder als Kind. Oder man spinnt das Leben einer Figur aus Film oder Fernsehen weiter. Und dann auf einmal, da ist es als würde diese Person leben. Als hätte sie eigene Wünsche, Träume, Vorstellungen, und sie wehrt und sperrt sich gegen gewisse Dinge, die sie gern mit ihr machen würden.
So ähnlich ist das mit Pirandellos 6 Personen. Die tauchen nämlich auf einmal in einem Theater auf, völlig verzweifelt, und erklären, dass sie fiktive Figuren sind und ihr Schriftsteller sie leider auf Halde gelegt hat, was nun dazu geführt hat, dass sie Teil einer halbfertigen Geschichte sind - ihrer Geschichte - deren Ende sie nicht kennen. Und bitte ob sich nicht jemand erbarmen könne, "ihr" Leben fertig zu schreiben.
Natürlich glaubt ihnen erstmal niemand. Doch der Regisseur wird neugierig, lässt sich erzählen, was die Personen bereits über sich wissen, und greift diese Geschichten dann auf, um sie von seinen eigenen Schauspielern dann nachspielen zu lassen. Theater im Theater also - und die Figuren sind entsetzt, denn das war doch eigentlich alles ganz anders.
Das Stück ist einfach nur großartig. Über das Leben fiktiver Gestalten und ihre Individualität. Darüber, wie sie Eigenleben entwickeln und sich dem Bann ihres Schöpfers zu entziehen vermögen. Darüber, dass ein Stück nie so ist, wie es ist, und schon gar nicht so, wie es doch gedacht ist und sein soll. Und es nimmt den Zuschauer mit in diese Welt zwischen Fiktion und Realität, wo er am Ende selbst nicht mehr weiß, ob Theater nun Theater ist, oder echt. Oder eben echtes Theater.
Hinweis für Schauspieler usw.: Der Titel ist irreführend. Das Stück benötigt grob überschlagen mindestens 13 Personen (idealerweise wirklich unterschiedlichen Alters), besser mehr (einige kleinere Rollen könnten zusammengelegt werden). Das Bühnenbild kann einfach gehalten werden.