Es ist gut vorzustellen, welche Kontroversen dieser Film in der Zeit seiner Entstehung im Jahre 1976 auszulösen vermochte. Derek Jarman ist sicherlich als ein außergewöhnlich nonkonformer Regisseur seiner Zeit zu bezeichnen. Beim vorliegenden Werk handelt es sich um seinen ersten langen Spielfilm.
Er zeichnet die letzten Tage des heiligen Sebastians nach, der in den letzten Jahrzehnten zur Ikone der schwulen Community stilisiert wurde. In der Abgeschiedenheit der Wüste (gedreht wurde in einer kargen Landschaft auf Sardinien) langweilt sich eine römische Kleinsttruppe mit ihrem Hauptmann, denn es gibt keinen Gegner. Man ist mit sich selber beschäftigt und mangels weiblicher Möglichkeiten mit dem gleichen Geschlecht. Der Hauptmann hat ein Auge auf Sebastian geworfen, der aber Christ geworden ist, nicht mehr kämpfen möchte und die Avancen brüsk zurückweist. Auch durch Strafen und Quälerei lässt er sich nicht umstimmen und beharrt auf seinem keuschen Standpunkt. Er hat nur einen Fürsprecher und Freund in der Gruppe. Dafür wachsen die Feindschaften, die er durch seine Standhaftigkeit provoziert. Das Ganze steuert unvermeintlich auf eine Katastrophe für ihn zu.......
Die triste Landschaft gepaart mit den leicht bis gar nicht bekleideten Männerkörpern, die sich schweißtreibend für den Kampf fit halten; eindeutig homoerotische Aktionen zwischen den Soldaten und dazwischen der unschuldig anmutende junge Sebastian. Sämtliche Dialoge werden auf Latein geführt (zum Glück mit deutschen Untertiteln auf der DVD), was dem Film offensichtlich noch größere Authentizität verleihen soll.
Es ist schwer, bezüglich eines Klassikers eine Sterne-Wertung abzugeben. Für seine Zeit ein provokantes und außergewöhnliches Werk, wirkt mittlerweile manches doch recht langgezogen und gedehnt. Wer nicht genug bekommen kann, sich an nackten Männerkörpern in inniger Umarmung sattzusehen, dem bieten sich heutzutage gänzlich andere Möglichkeiten. Trotzdem interessant, dass der Film bereits ab 16 freigegeben ist.
Der Darsteller des Sebastian: Leonardo Treviglio hat anschließend in etlichen italienischen Filmen mitgewirkt. Es war seine erste Hauptrolle.
Bonus: Kurzfilm von Bavo Defurne "Der Heilige" aus dem Jahre 1997 zum gleich Thema. Sehenswert!
Fazit: Ein filmisches Zeitdokument in ordentlich aufgearbeiteter Bildqualität.