Ich erinnere mich noch sehr gut daran, dass sehr viele Musikkritiker Marillion 1989 bei der Veröffentlichung des Hogarth-Debüts - Seasons End - regelrecht in der Luft zerrissen, aber vor allem ihre Enttäuschung über die musikalische Stil- und Richtungsänderung in Worten wie "Schmalspur-Fish oder Süßwasserschwimmer" ganz heftig zum Ausdruck brachten. Ich hingegen fand Marillion damals nicht nur erfrischend neu, sondern vor allem erfrischend anders. Natürlich war ich anfangs genauso skeptisch, aber im Gegensatz zu den gerade besagten Kritikern, war ich in meinem Leben immer offen für Neues, und - Seasons End - war zu diesem Zeitpunkt für mich definitiv etwas Neues und völlig anderes, als die vier Alben der Fish-Ära.
Für die alten Fans, die vor allem die Stimme des großen Derek W. Dick liebten, war - Seasons End - wahrscheinlich eine große Enttäuschung, da Steve Hogarths Stimme eine völlig Andere war. Dementsprechend machen Marillion das einzig Richtige, nämlich, sie ändern nicht nur ihren Sound, sondern drehten auch ihre Songstrukturen um 180 Grad, und verabschieden sich mit diesem mutigen Schritt gleichzeitig komplett aus der Neo-Prog-Szene, ohne dabei jedoch ihre musikalische Identität gänzlich zu verlieren.
Sich für Steve Hogarth als Sänger zu entscheiden, erwies sich schon bald als Glücksgriff, denn mit ihm erweiterte sich nicht nur das musikalische Spektrum der Band um ein Vielfaches, sondern es tauchten fortan auch immer mehr persönlichere und emotionsgeladenere Songs auf den Alben auf. Heute spielen Marillion in keiner Schublade mehr, sondern bieten Prog, Rock, Art-Rock, Melodic-Rock, und Alternativ- bzw. Independent-Rock. So ist die Musik von Marillion für mich heute wesentlich interessanter, fasettenreicher, moderner, spannender und überraschender als noch zu Fishs Zeiten.
Seasons End - war 1989 der Beginn einer mittlerweile über 22-jährigen Reise mit dem gleichen Line-Up, das von Jahr zu Jahr auch live immer besser wurde. Auf - Seasons End - befinden sich die vier atemberaubenden Klassiker - Easter, Berlin, Seasons End und The Space - sowie das nicht minder großartige - The King of Sunset Town. Auf der remasterten Version befinden sich noch alle B-Seiten aus dieser Zeit, sowie die Maxiversion von - The Uninvited Guest - die mir persönlich wesentlich besser gefällt als die Albumversion, und alle Demoversionen.