Anfang 2000 toppte das Nena-Reggae Cover "Irgendwie, Irgendwo, Irgendwann" die Charts und plötzlich hatte Reggae selbst für Hip Hopper die nötige Street-Credibility. Jetzt schiebt der dafür verantwortliche Beginner Eißfeldt aka Jan Delay endlich den heißersehnten und - aufgrund Unstimmigkeiten mit der Plattenfirma - lang verschobenen Longplayer nach. Schon das Cover und ein Blick ins Booklet machen klar, dass hier keine prätentiösen Pseudo-Dreads oder Homies am Start sind. Die ganze Posse in Stadt-Guerilla Ästhetik kompromisslos vermummt, wird das Plattencover von Dennis Browns Klassiker "Words Of Wisdom" hochgehalten. Und "Words Of Wisdom" gibt es zuhauf auf "Searching For The Jan Soul Rebels". Kein sinnentleertes Gedisse um die besten Skills & Styles aber auch keine anbiedernde Rasta- & Ganja-Verherrlichung. Vom alltäglichen Rassismus über den Cyberwahnsinn bis hin zu punktgenauen Beobachtungen über gesellschaftspolitische Veränderungen (da reimt sich z.B. in "Söhne Stammheims" "Hunde und Benzin" auf "Baader und Ensslin") wird hier kein Blatt vor den Mund genommen. Hier kommt der Wolf im Schafspelz, denn die Musik ist meist allerfeinster Roots Reggae, den man bestimmt gerne auch mal am Ballermann hören würde. Wenn da nur nicht so mitgröhlfeindliche Refrains wären wie "Ich möchte nicht, dass ihr meine Lieder singt!" Da kriegt selbst die Eimer-Sangría einen komischen Beigeschmack. Zahlreiche Gaststars wie Sam Semilia, D-Flame u.a., runden dieses Album kongenial ab und bewahren es davor im Off-Beat Sumpf unterzugehen. Wer also Reggae nicht nur als Gute-Laune Musik zum Beineschwingen und Karibik-Ersatz versteht, sollte sich (nicht zuletzt zum tieferen Verständis von Reggae und seiner soziopolitischen Bedeutung) diese Scheibe nicht entgehen lassen!