Die Entwicklung der Moody Blues erfolgte, was ihre Platten betrifft, immer in ausgedehnten Schüben. Nach einer mehr oder minder längeren produktiven Phase folgte unweigerlich eine schöpferische Pause, garniert mit allerlei Trennungsgerüchten und anschließendem Stilwechsel. „In Search of the Lost Chord" bildet den kreativen Höhepunkt von Phase 2, die 1967 mit dem symphonischen „Days of Future Passed" begann und 1972 mit dem ziemlich elegischen und in einer süßlichen Mellotron-Suppe ersäuften „Seventh Sojourn" endete. Das vorliegende Album stammt aus dem Jahr 1968 und ist für damalige Verhältnisse perfekt aufgenommen und abgemischt. Es vermittelt den Eindruck eines geschlossenen „Gesamtkunstwerks", aus dem nur der Schmachtfetzen „The Actor" die gute Stimmung ein wenig trübt. Ansonsten herrscht eine nahezu perfekte Balance zwischen schnelleren und ruhigeren Stücken, zwischen leisen und lauten Passagen und auch zwischen den verschiedensten Stilen. Man treibt wie auf einem Fluss dahin und genießt die bunten Bilder an den Ufern - es ist eine CD zum Zuhören, zum Entspannen, was aber nicht heißen soll, dass die Musik inhaltslos daherplätschert. Im Gegenteil: Was hier an Ideen, an Arrangements, an unterschiedlichen Stilen hineingepackt wurde, scheinbar mühelos und ohne jede Verkrampfung, verdient Respekt, und es ist kaum zu glauben, dass dieses Werk aus dem Jahr 1968 stammt. Besonders das Medley „House of four Doors/Legend of a Mind" verschmilzt zu einem einzigen Stück, zu einer musikalischen Querfeldeinfahrt, die keine Sekunde langweilig wird. Im Unterschied zu späteren Produktionen, die manchmal an symphonischem Overkill erstickten, gibt es hier einige fast kammermusikalische Passagen, getragen von akustischer Gitarre und der Flöte von Ray Thomas. Es klingt ein wenig hochtrabend, aber man wird an vielen Stellen regelrecht verzaubert, und dieser eigentümliche Zauber liegt über dem ganzen Album.
Fazit: Keine CD für Hardrock-Fans und Blues-Jünger, aber ideal für Zuhörer, die zeitlos-schöne Musik jenseits aller Kategorien genießen wollen.