Jean Penn ist in meinen Augen als Schauspieler ein Ausnahmetalent. Ich freue mich, dass ich jetzt seine Biografie lesen konnte. Das Privat- und Berufsleben wird nach allen Regeln der Biografie-Kunst ausgeleuchtet. Die Beziehung zu seinen Eltern und Geschwistern, sein Verhältnis zu Kollegen, sein Umgang mit der Liebe, die Gründe für seine Liebe zur Schauspielerei und letztlich auch sein Bekenntnis zu seinen Kindern könnte meiner Meinung nach nicht besser dargestellt werden.
Jean Penns abwechslungsreiches Leben wird faszinierend vielseitig gezeigt. Der Chor aus unterschiedlichen Stimmen (Interviews etc.), der zusammengemixt wurde, ist unheimlich genial gemacht. Kollegen, Freunde und Familienmitglieder (Eltern und einer der Brüder) erzählen vom Wesen dieses nicht unumstrittenen Menschen mit Fehlern.
Jean Penn wurde vor meinem inneren Auge nicht nur als begnadeter Schauspieler, sondern auch als spannender Mensch aus Fleisch und Blut lebendig. Seine Charakterzüge werden sehr bunt gemalt. Es treten Geschichten zutage, die unter die Haut gehen. Ich konnte einen Menschen mit Tiefe sehen, mit düsteren Ecken und vielen scharfen Kanten. Aber die Menschen, die ihn beschreiben, zeigen einen Mann, dem ich gerne begegnen würde.
Für mich ist die Mischung aus Originalstimmen (Interviewsequenzen) und eingestreuten, kursiv gesetzten Textpassagen zwischen den Stimmen ideal gelungen. Der Autor hat damit nicht nur den richtigen Ton getroffen, sondern eben auch fesselnde Abwechslung entstehen lassen. Sehr schön finde ich auch, dass Jean Penn nicht nur durch die Außensicht beschrieben wird. Der Schauspieler erzählt nämlich auch von sich selbst.
Manchmal, wenn Sätze mitten im Satz abbrechen oder Schilderungen unvollständig sind, werden sie später fortgesetzt. Das schafft Spannung. Und gleichzeitig werden die Erwartungen doch noch eingelöst. Einige Fäden finden also erst im Verlauf der Biografie zusammen. Das habe ich in einer Biografie so noch nicht gesehen, fand es aber ohne Frage interessant und halte es für eine passende Idee.
Fazit: Dieses Buch ist von der Machart seinem Untersuchungsobjekt sehr ähnlich: abwechslungsreich, spannend und kreativ. So etwas zu lesen, macht mir große Freude. Jean Penn bin ich so jedenfalls sehr nah gekommen. Ich bin mir sicher, dass auch andere Leser - nicht nur eingefleischte Jean-Penn-Fans - hieran großes Vergnügen finden.