Es gibt Seal für Hausfrauen: "Kiss from a rose". Es gibt Seal für den aufgeklärten Mittelstand: "Love's divine". In der Tat: ein muskulöser Hüne mit einer Stimme wie Vollmilch-Nuß, das rührt schon an. Es gibt aber auch noch den anderen, den jungen Seal: und der ist komplett auf seinem Debut versammelt. Sealhenry Samuels bestes Stück. Bis heute, punktum. Der völlig unterschätzte Opener "The beginning", hochenergetisch und dramatisch, zeigt, was Dancefloor auch sein kann. "Deep water" ist eine durchkomponierte Minioper mit ganz erstaunlicher Bass- und Gitarrenarbeit. "Crazy" wäre natürlich nie ohne "Onkel" Trevor Horn möglich gewesen. "Killer" killt immer noch, auch im x-ten Remix. Einfach schön sind "Show me the way", "Whirlpool" oder "Wild". "Future love paradise" macht glücklich. "Violet" läßt Dich mit der Welt versöhnt einschlafen.
Von Anfang bis Ende: kein Hänger. Das Geheimnis dieser Scheibe: sie wirkt zunächst glatter und geheimnisloser als ihre vodergründig tiefgründelnden Nachfolger. Die Langzeitwirkung zeigt aber: Seal I ist von zeitloser Substanz. Und besitzt diese nie nervös machende Energie. Die hat Seal danach nie mehr so hörbar gemacht.