SEAL-Team 12 scheint auf den ersten Blick, zumindest dem Titel nach, ein weiterer gängiger Nachfolger von vielen beliebten und gut laufenden Serien im SEAL-, Special Forces und Agenten-Millieu zu sein. Eingeordnet wurde er vom Verlag in das Romantic Thrill-Genre. Die Inhaltsbeschreibung und etliche Rezensionen haben mich zum Kauf veranlasst.
Leider wird der erste Band dieser Serie weder dem romantischen Anspruch noch dem eines Thrillers wirklich gerecht. Ich möchte wegen der vielen Inhaltsangaben in anderen Rezensionen nicht nochmals explizit auf den Inhalt des Buchs eingehen.
Im Großen und Ganzen kann man es so zusammenfassen: SEAL bleibt im Eisatz vermisst und kehrt ein Jahr später mit Folterfolgen und Gedächtnisverlust nach Hause zurück. Ehefrau ist von Rückkehrer und Umständen wenig begeistert und plant bereits die dauerhafte Trennung. Ehemann ist ein durch die schlimmen Erfahrungen geläuterter Mensch und tut alles, um die Beziehung zu erhalten, wobei er auf erbitterten Widerstand der Frau stößt. Am Ende kriegen sie sich natürlich trotz aller Probleme. Eingehüllt ist das Ganze in eine riesengroße Verschwörung mit Verrat von allen erdenklichen Seiten. Irgendwie schwebt der Hauptprotagonist und damit auch seine Familie und andere um ihn herum in ständiger Gefahr.
Könnte spannend sein, wenn es nicht alles so vorhersehbar und mit wenig Tiefgang beschrieben wäre. Irgendwie werden sämtliche Handlungsträger nüchtern, etwas langweilig und wenig für sich einnehmend dargestellt. Man bekommt keinen Zugang zu ihnen und liest das Ganze als mehr oder weniger unbeteiligter Zuschauer (manchmal auch genervt von endlosen psychologischen Abhandlungen und Kommentaren). Es läuft auf eine ziemlich öde, weibliche Nabelschau hinaus, die an das Nähkästchen einer Eheberatungsstelle erinnert. Die Hauptprotagonistin ist drei Viertel des Buches nur mit sich und ihren verletzten Gefühlen aus der Vergangenheit beschäftigt. Die Gegenwart und auch tatsächliche Gefahren nimmt sie nur unvollkommen war. Lieber wälzt sie alles und jedes, was schief läuft, auf ihren Mann ab und gibt sich wenig Mühe, seine Situation und seine veränderte Haltung zu akzeptieren und zu respektieren. Es wirkt fast unglaubwürdig, dass der Hauptprotagonist um diese Person kämpft und alles tut, um sie zufriedenzustellen.
Jeder zweite Satz im Buch lässt den Leser wissen, dass alles, was er tut, sowieso nicht von Dauer und deshalb nicht glaubwürdig ist. Man glaubt kaum, dass ihrerseits jemals Liebe und nicht nur naive, weibliche, romantische Vorstellungen im Spiel waren. Ihre mangelnde Ahnung von seinem Job als SEAL und den damit verbundenen Gefahren sowie den möglichen negativen Auswirkungen auf das Privatleben (obwohl sie aus einer Militärfamilie stammt) ist schon erstaunlich und nervt einfach nur. Auch sonst sind mir des Öfteren Unstimmigkeiten und unglaubwürdige Darstellungen aufgefallen, so als ob die Autorin Action-Szenen irgendwo abgeschrieben aber nicht richtig durchdacht hat. Fantasie und künstlerische Freiheit sollen schließlich im Sinne des Lesers eingesetzt werden und nicht, um den Leser zu langweilen und abzuturnen.
Summa summarum: ein unbefriedigender Serienauftakt, der nicht dazu einlädt, Geld für weitere Fortsetzungen zu investieren. Es bleibt trotzdem zu hoffen, dass die nächsten Bände sich besser präsentieren. Die Rahmenhandlung bietet eigentlich gute Voraussetzungen dafür, aber das haben andere Autoren bisher wesentlich interessanter und spannender gelöst.