Trotz einiger negativer Rezensionen und Problemschilderungen in einschlägigen Foren beschloss ich, diese WLAN-Festplatte mal auszuprobieren, da ich die Idee wirklich gut finde und eine praktische Möglichkeit suche, entsprechend konvertierte Filme unterwegs auf meinem Android-Smartphone (Samsung Galaxy S2, noch mit Gingerbread 2.3.4) oder zukünftig auf dem Tablet (avisiert: Asus Transformer Prime TF201 oder das brandneue Transformer Pad) anschauen zu können. Das Streamen von Musik und Fotos interessiert mich weniger, diese Medien liegen auf meinem SGS2 lokal auf der Speicherkarte. Hier also nun meine Erfahrungen ...
Nach dem Auspacken erst mal Respekt: Die Festplatte macht, wie das Zubehör (Netzadapter, 12V-Adapter, USB-Ladekabel, USB 3.0-Steckadapter wie bei den anderen GoFlex-HDDs), einen hochwertigen Eindruck (wenn auch die Oberfläche sehr Fingerabdruck-affin ist). Eine Tasche fehlt leider, aber egal, lässt sich für kleines Geld nachkaufen.
Die Inbetriebnahme gestaltete sich auch zunächst problemlos. Platte wurde per USB am PC (Win7 64-Bit) sofort erkannt. Ein paar meiner Filmdateien aufgespielt, Übertragungsrate mit ~40 MB/s zwar nicht besonders hoch für USB 3.0, aber egal, stört mich nicht. Platte vom PC abgeklemmt, eingeschaltet, nach ca. 20-30 Sekunden war das GoFlex-WLAN verfügbar. Vom PC aus eingeloggt, ging sofort. Browser aufgerufen, die Seagate-Oberfläche erschien, wunderbar. Ein paar von den kurzen Demo-Videos abgespielt, ging, bei genauerer Betrachtung stellte sich jedoch heraus, dass hier nicht gestreamt, sondern zuvor heruntergeladen wird ... Na ja, vielleicht entscheidet die Software das ja abhängig von der Dateigröße?!.
Wie auch immer, jedenfalls kam die Enttäuschung beim Abspielen meiner eigenen Filme: Nichts ging mehr! Meine Filme wurden zwar korrekt als solche erkannt und die GFS versuchte, sie im (Browser-Plugin des) VLC Media Player abzuspielen, aber der Effekt war so, als wäre die Download-Bandbreite zu gering: Extremes Ruckeln, zerhackter Ton, in der Form völlig unbrauchbar. Ständige Datenübertragung übers WLAN zwischen 3 und 4 MB/s (also 24-32 MBit/s, zwar recht langsam für n-WLAN, aber doch mehr als genug Bandbreite).
An dieser Stelle etwas Information zur Codierung meiner Filme: Es handelt sich um MPEG-4 AVC (H.264)-kodierte Dateien mit Bitraten von 1 (Auflösung 800x480p) oder 4 MBit/s (1920x1080p). Also ein absolut gängiges Format, das, lokal gespeichert, einwandfrei vom PC (im VLC Media Player) als auch vom Smartphone (sowohl im Standard-Player als auch in Dritt-Playern) abgespielt wird (FullHD wird dabei natürlich "on the fly" herunterskaliert).
Gegenprobe auf dem Smartphone (SGS2): Auch hier kein Problem bis zum Abspielen meiner eigenen Filme, wieder extremes Ruckeln und zerhackter Ton, egal ob das Abspielen vom Browser-Interface oder von der speziellen Android-App aus initiiert wurde, egal ob im App-eigenen Player, im Standard-Android-Player oder in Dritt-Playern (z.B. BSPlayer Lite, Buzz Player) abgespielt wurde, immer dasselbe Ergebnis. Auch hier fiel die dauerhafte Übertragung von Daten übers WLAN von 3-4 MB/s auf.
Interessanterweise liefen nach diesem Versuch noch nicht einmal mehr die lokal abgelegten Filme. Erst nach einem Reboot des Smartphones ging das wieder, und das Problem war reproduzierbar: Nach dem Booten spielten die lokal abgelegten Filme einwandfrei, nach einem Streaming-Versuch nicht mehr. Die Seagate-Software macht also temporär irgendwas "kaputt".
Soweit liefen die beschriebenen Streaming-Versuche mit alter Firmware (1.2.x). Der dann durchgeführte Update auf neueste Firmware (1.3.5.015) brachte aber leider keinerlei Veränderung (die Android-App war eh die aktuelle).
Dann doch noch ein Erfolgserlebnis: Über DLNA (die "AllShare"-App auf dem SGS2) klappte das Streamen meiner Filme dann überraschenderweise doch noch und auf Anhieb. Wenn auch nicht 100%ig stabil: Hin und wieder gab's kurze Aussetzer und nach dem "Spulen" des Films musste man schon mal wieder von vorn beginnen. Aber immerhin ... Leider ist die DLNA-Funktionalität auf der GFS mehr Zugabe im Beta-Zustand als zugesicherte Funktionalität, wer weiß also, ob sie mit dem nächsten Update nicht schon wieder verschwunden ist.
Was tue ich jetzt? Reicht mir die (ein bisschen wackelige) Streaming-Funktionalität über DLNA? Nein, definitif nicht. Und dass die schlechte Software durch künftige Updates besser wird, darauf verlasse ich mich auch nicht. Wenn es dabei bleibt, werde ich von meinem Rückgaberecht Gebrauch machen. Für den Preis ist das Gesamtprodukt zu unausgereift.
Allerdings gibt es noch einen Silberstreif am Horizont: Im Seagate-Forum fand ich eine Anleitung, wie man Samba2 auf die GFS installieren kann (letztlich ist die GFS nur ein Linux-System). Das werde ich noch ausprobieren, und wenn es klappt, kann man via SMB (geht z.B. direkt aus den Playern BSPlayer Lite oder Buzz Player, oder eben durch "Mounten" des SMB-Shares auf dem Android-Device unter Zuhilfenahme eines entsprechenden Tools) unter Umgehung jeglicher Seagate-Software auf die Platte zugreifen. Wenn das Streaming dann einwandrei funktioniert, behalte ich die Platte doch noch. Ich werde berichten ...
Im Moment kann ich nicht mehr als zwei Sterne für die gute Idee und die gute Hardware vergeben. Es nützt halt nichts, wenn das Gesamtprodukt wegen der miesen Software nicht das tut, was versprochen wird.
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UPDATE am 03.05.2012:
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Die Samba2-Installation hat tatsächlich einwandfrei geklappt, wie im Seagate-Forum beschrieben. Zu beachten war lediglich, dass ab Firmware-Version 1.3.5 die Default-IP-Adresse der GFS nicht mehr 192.168.0.1, sondern 172.25.0.1 ist.
Die Streaming-Ergebnisse via SMB sind allerdings ambivalent. Kurz zusammengefasst:
- Mit dem BSPlayer Lite lässt sich ein Video nun einwandfrei abspielen, sofern man auch den SMB-Link im BSPlayer Lite einrichtet (Menü -> Optionen -> LAN Mode -> Menü -> Add Server, dann einfach nur die IP-Adresse der GFS - 192.168.0.1 mit Firmware-Version vor 1.3.5, 172.25.0.1 mit Firmware-Version ab 1.3.5 - eingeben, User und Passwort leer lassen). Dabei konnte ich sogar (neben dem 800x480 1000 kpbs-Stream) gleichzeitig einen FullHD (4000 kpbs)-Film störungsfrei auf den PC streamen (hier einfach den SMB-Share im Explorer über Extras -> Netzlaufwerk verbinden einrichten). Mit einem zweiten Smartphone (Samsung Galaxy S) anstelle des PCs klappte das überraschenderweise nicht mehr, obwohl das zweite Video hier nur ein 800x480 1000kpbs-Film war. Auf beiden Devices (SGS2 und Galaxy S) kam es zu Rucklern und Ton-Aussetzern, die jeweils sofort aufhörten, wenn man das Abspielen auf einem der Geräte pausierte (-> WLAN-Bandbreite zu gering; dürfte zwar nicht sein, da eigentlich nur 2x 1 MBit/s übertragen wird, spricht daher für eine nicht ganz optimale Implementation des SMB-Protokolls auf BSPlayer-Seite).
- Über den Buzz Player lässt sich dasselbe Video, nach Einrichtung des SMB-Shares im Buzz Player, nur wieder mit starken Rucklern und Tonaussetzern abspielen.
- Richtet man den SMB-Share in ES Datei Explorer ein, tippt eine Film-Datei an und wählt den BSPlayer Lite (also die gleiche Konstellation wie im ersten Bullet, nur dass der SMB-Share nicht in BSPlayer Lite, sondern in ES Datei Explorer eingerichtet ist), gibt es wieder starke Ruckler und Tonaussetzer.
- Das Streamen auf zwei Smartphones gelingt störungsfrei, wenn eines via SMB (im BSPlayer Lite), das andere via DLNA (AllShare-App) auf die Platte zugreift. Dann kommt es auch nicht zu den Mini-Rucklern, die sich beim Abspielen nur über DLNA zeigen.
- Beim Streaming über DLNA wird am wenigsten auf die Festplatte zugegriffen, es scheint das am effizientesten implementierte Streaming-Protokoll zu sein. Aber gerade die Übertragungspausen scheinen auch für die Mini-Ruckler verantwortlich zu sein, da der Client (Smartphone) offensichtlich zu spät die nächsten Datenblöcke anfordert und die Festplatte die Daten so nicht ganz "just in time" liefern kann.
- Mir persönlich ist das nicht wichtig, aber über den SMB-Share kann man auf die GFS theoretisch auch schreiben. Ausprobiert habe ich es nicht, jedoch dürften die Linux-Permissions dies noch verhindern. Da es keine Nutzerverwaltung auf der GFS gibt, müsste man dem SMB-Client einen "Persilschein" in Form eines Permissions-Strings mitgeben. Ich habe bislang noch keinen Weg gefunden, diesen wie in der App CIFS Manager (die leider ein gerootetes Smartphone verlangt) einzugeben.
Schlussfolgerung: Der Teufel steckt beim Streamen auf Android-Devices im Detail. Offensichtlich gibt es eine hohe Abhängigkeit von der Effizienz der Protokoll-Implementation auf Client-Seite: Ist das SMB-Protokoll ineffizient implementiert (wie scheinbar in ES Datei Explorer und im Buzz Player), ist Streaming kaum möglich. Ist es halbwegs effizient implementiert (wie im BSPlayer Lite), geht es. Kurioserweise scheint aber auch die Seagate-eigene Android-App das eigene Streaming-Protokoll (was immer da benutzt wird) schlecht umzusetzen. Die iOS-App scheint deutlich besser implementiert zu sein, da die Apple-Kollegen solcherlei Schwierigkeiten wie von mir berichtet offensichtlich nicht haben.
Fazit: Ich habe nun zwei Methoden gefunden (Streaming über SMB in BSPlayer Lite, DLNA), meine Filme störungsfrei bzw. fast störungsfrei auf mein(e) Android-Device(s) zu streamen.
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