Auf dem Gebiet der externen Festplatten erwartet man eigentlich keine bahnbrechenden Neuerungen mehr, abgesehen vielleicht von immer größeren Speicherdichten. Und dennoch ist es Seagate gelungen, mit der GoFlex-Reihe mal etwas völlig Neues auf den Markt zu bringen.
Nimmt man die Platte in die Hand, fällt zunächst mal auf, dass der gewohnte USB-Anschluss fehlt. Stattdessen gibt es eine längliche, proprietäre Buchse, die erst in Verbindung mit dem mitgelieferten Adapter zu einem USB-Anschluss wird. Schließt man den Adapter an, hat man immer noch eine sehr kompakte, ungewöhnlich dünne Festplatte, die auch dann noch wie aus einem Guss aussieht; der Adapter fügt sich wirklich unauffällig an die Festplatte an. Die Status-LEDs befinden sich am jeweiligen Adapter und leuchten weiß, bei Festplattenaktivität pulsiert das Licht langsam. Das sieht zwar schön und irgendwie "Apple"-like aus, schneller und deutlicher erkennt man die Aktivität einer Festplatte aber, wenn es, wie gewohnt, hektisch flackert. Es handelt sich um zwei LEDs, die allerdings stets synchron leuchten. Was das soll, weiß ich nicht, vielleicht ist das eine Art Füllstandsanzeige, wie bei den Festplattendocks der GoFlex-Serie. Die Anleitung besteht aus ein paar Bildchen, drei deutschen Sätzen und Hinweisen auf auf weitere Informationen auf der Seagate Webseite (wo ich aber nichts wirklich Hilfreiches gefunden habe). Normalerweise brauche ich für eine simple externe Festplatte keine Anleitung, aber hier bleiben Fragen offen, auch zu der mitgelieferten Software (wozu ich später noch komme), und das ist einfach nur ärgerlich.
Die Platte hat mir Amazon im Zuge des Vine-Programms zum Testen zur Verfügung gestellt. Mich interessierte hier insbesondere die Möglichkeit, mithilfe eines der optional erhältlichen Adapter endlich mal zu einer möglicherweise schnelleren externen Festplatte zu kommen. Festplatten sind im allgemeinen sehr schnell, externe Platten werden aber durch den gängigen USB2-Anschluss stark ausgebremst. Adapter gibt es für eSATA, USB3 und Fire Wire 800. Daneben gibt es ein
Seagate FreeAgent GoFlex Net Media-Sharing-Lösung genanntes Dock für zwei GoFlex-Festplatten und/oder eine per USB2 angeschlossene Festplatte eines beliebigen Herstellers. Das klingt sehr interessant und erinnert in seiner Funktionsweise an die bereits bekannte
Seagate FreeAgent Dockstar Netzwerk Dockingstation (USB, Gigabit Ethernet, Remote Access). Damit kann man aus der externen Festplatte eine Art NAS-System einschließlich Media-Server machen, allerdings nur in Verbindung mit einer Anmeldung an den Pogoplug-Server. Aber ich schweife ab! Gekauft habe ich mir den USB3-Adapter, verspricht dieser doch einen "bis zu zehnfachen" Geschwindigkeitsvorteil. Mein Rechner hat kein USB3 on board, also musste ich auch noch eine entsprechende Karte für den PCI-express Steckplatz nachrüsten.
Die Geschwindigkeit wollte ich nicht durch einen Benchmark testen, sondern durch eine Aufgabenstellung aus der Praxis: Ich habe immer wieder denselben Ordner mit Fotos vom Rechner auf die zu testenden Festplatten kopiert (Schreibtest), danach wieder zurückkopiert (Lesetest) und jeweils die Zeit gestoppt. Den Test wollte ich eigentlich drei mal durchführen und dann die Mittelwerte hier angeben, aber bereits die zweite Testreihe hat die Ergebnisse der ersten recht deutlich bestätigt, so dass ich mir das gespart habe. Testsystem ist ein Rechner mit AMD Athlon II X2 Prozessor (3000 MHz) und Windows 7 in der 64bit-Version.
In erster Linie hat mich der Vergleich zu meiner eigenen, gerade erst gekauften
Western Digital WDBAAR5000ABK Elements portable 500GB externe Festplatte (6,4 cm (2,5 Zoll), 5400rpm, ms, 8MB Cache, USB) schwarz interessiert. Für den Test waren beide Festplatten im Zustand wie nach dem Kauf, also leer bis auf die mitgelieferte Software. Bei der WD sind das nur ein paar Minidateien, die dafür sorgen, dass nach dem Anschließen der Platte ein "WD"Symbol im Explorer angezeigt wird. Auf der Seagate sind noch die Installationsdateien für die Backup-Software und ein paar zusätzliche Tools drauf. Zusätzlich spielte, nur interessehalber, eine 3,5-Zoll-Platte mit, und zwar eine Buffalo Drivestation mit 750 MB, die jedoch zu einem Viertel gefüllt war. Der für den Test kopierte Ordner war 9,34 GB groß und bestand aus 572 Dateien verschiedener Größe (größere RAW- und kleinere jpg-Dateien). Nachfolgend die Zeiten der verschiedenen Platten (Min.:Sek.):
WD:
Lesen: 07:12
Schreiben: 09:46
Buffalo:
Lesen: 06:51
Schreiben: 08:52
Seagate (USB2):
Lesen: 07:10
Schreiben: 08:59
Wie erwartet, liegen alle Platten relativ dicht beieinander. Die große Buffalo ist am schnellsten, aber (besonders beim Schreiben) dicht gefolgt von der Seagate. Nun wurde es spannend: Was würde der USB3-Anschluss bringen? Also den Adapter gewechselt und den Test noch mal durchgeführt:
Seagate (USB3):
Lesen: 02:34
Schreiben: 04:06
Das ist deutlich schneller, aber weit entfernt vom avisierten Faktor 10. Hier muss sich Seagate den Vorwurf gefallen lassen, mit dieser Aussage beim Kunden Erwartungen zu wecken, die technisch noch gar nicht darstellbar sind. Natürlich hat USB 3.0 gegenüber USB 2.0 einen theoretisch 10-fachen Geschwindigkeitsvorteil. Jedoch sind die heute üblichen 2,5-Zoll-Festplatten gar nicht in der Lage, so hohe Geschwindigkeiten zu liefern. Immerhin ist es nun nicht mehr die Schnittstelle, die die eigentlich schnellere Festplatte ausbremst. In Verbindung mit einem schnelleren Adapter als USB 2.0 erreicht die GoFlex nun endlich Geschwindigkeiten, die sich nicht mehr so stark von denen interner Festplatten unterscheiden.
Nun zur mitgelieferten Software:
Mitgeliefert wird das Programm "Memeo Instant Backup", sowie drei weitere Programme, die als Testversionen installiert werden können.
Memeo Instant Backup
Das Programm ist - nun, wie soll ich's sagen - einfach zu bedienen. "Einfach" in dem Sinne, dass es nichts, rein gar nichts, zu konfigurieren gibt. Nach dem ersten Aufruf scannt er kurz die interne Festplatte und zeigt in einem Balkendiagramm an, wie viel Speicherplatz von Dokumenten, Bildern, Musik, Videos und "Weiteren" benutzt wird. Nun kann man das Backup starten. Was genau gesichert wird, erfährt man nicht. Allerdings konnte ich irgendwo in Erfahrung bringen: dass "Programmdateien, temporäre Dateien, Protokolldateien, virtuelle Festplattendateien und der Ordner Windows System" vom Backup ausgeschlossen sind. Ja, was soll das? Das sind doch gerade die wichtigen Sachen!
Das erste Backup dauert erwartungsgemäß recht lange. Später werden nur noch Änderungen synchronisiert, auf Wunsch auch automatisch bei jedem Anschließen der Platte. Das Backup benötigt keine Administrator-Rechte (wozu auch?); das Restore läuft nur, wenn Instant Backup installiert ist (falls nicht, kann es neu installiert werden und funktioniert dann trotzdem).
Memeo AutoSync
Memeo Send
Memeo Share
Diese Programme sind Testversionen, wobei ich nicht in Erfahrung bringen konnte, in wie weit sie eingeschränkt sind gegenüber den jeweiligen Vollversionen. "Send" und "Share" sind englischsprachig. Auch deswegen erschließt sich mir der Sinn dieser Programme nicht so ganz. Fest steht, dass man sich zunächst irgendwo anmelden soll. Dann kann man mit "Send" offenbar Dateien an E-Mail-Adressen schicken. Das geht zwar auch mit jedem E-Mail-Programm, aber dieses Programm ist darauf spezialisiert und angeblich gibt es keine Größenbeschränkungen für die Dateien. Ich vermute aber mal, dass der Empfänger dann auch dieses Programm haben muss. Mit "Share" kann man Dateien auf dem eigenen Rechner für den Zugriff über das Internet freigeben. Aber auch das läuft über einen Server, für den man sich erst registrieren muss.
"AutoSync" ist dagegen auf deutsch, und scheint mir ein ganz nützliches Tool zu sein. Man kann damit ganz einfach beliebige Ordner (z.B. auf dem Rechner und auf einem USB-Stick) synchronisieren. Getestet habe ich das bislang jedoch nicht.
Fazit: Durch das GoFlex-System ist die Festplatte sehr flexibel einsetzbar. Die Idee ist lobenswert und sorgt z.B. dafür, dass die Platte nicht zum alten Eisen gehört, wenn in naher Zukunft USB3 dem USB2-Anschluss den Rang abgelaufen haben sollte. Die Platte und die mitgelieferte Software soll auch voll Mac-kompatibel sein, was ich aber nicht testen konnte. Weitere Adapter gibt es für eSATA, Fire Wire und LAN. Es gibt auch GoFlex-Platten in 3,5 Zoll. Das GoFlex für 2,5 Zoll ist jedoch nicht mit dem für 3,5 Zoll kompatibel!
Die Geschwindigkeit ist unter USB 2.0 im üblichen Rahmen. Mit USB 3.0-Adapter (und sicherlich auch mit den anderen Adapteralternativen) ist die Festplatte deutlich schneller. Ob sich die Anschaffung eines Adapters lohnt, muss jeder für sich selbst entscheiden. Wer oft große Datenmengen auf die Festplatte überträgt oder sie für Backups nutzt, wird an einem schnelleren Adapter sicherlich seine Freude haben.
Die Platte ist schick, klein und im Betrieb nahezu lautlos.
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