Zuallererst muss ich erwähnen, daß ich die Seagate Goflex Home nicht gekauft, sondern sie zum Geburtstag erhalten habe. Mein Anspruch auf der Wunschliste war schlicht: Eine externe Festplatt mit zügiger Schnittstelle. Als ich herausfand, daß die Goflex-Home den Anspruch eines NAS an sich stellt, wurde ich hellhörig aber erwartete nicht viel. Einem geschenktem Gaul... den Rest kennt man.
Anmutung
Die Festplatte und die Base sind gut verarbeitet. Hochglanzkunststoff lässt sie auch neben dem hochwertigen Monitor gut aussehen. Anschlüsse und Kupplung sind gängig, bündig und sauber verarbeitet. Laut Datenblatt tun 1,2GHZ StrongARM ihren Dienst, was bei Homeservern schon im Mittelfeld spielt. Leider hat man mit 128MB Ram am Speicher gespart. Noch bedauerlicher ist, daß dieser eingelötet ist, also auch in Zukunft keine Besserung zu erwarten ist. 500MB NAND sollten in Grundausstattung reichen und auf weitere Anwendungen komme ich später zu sprechen. Befeuert wird das Teil von Axentra's HIPserv, das OS das auch in der Netgear Stora Anwendung findet.
Einrichtung
Die Platte ist eindeutig mit E.T. verwandt; Gleich zu allererst will sie nach Hause telefonieren. Für mich ein NoGo und ich habe lange mit mir gekämpft, bis ich den Port freigab und zu seagateshare.com connecten ließ. Sie brauch diese Verbindung allerdings auch nur einmal. Danach kann man Sie beliebig an freie Ethernet Ports hängen und auch über das Interface (Flash verliebt und dennoch spartanisch) auch Fernzugriffe endgültig unterbinden. Das heißt "Fast" es bleiben einige Hintergrunddienste über, die ich unter "Zukunft" abhaken werde.
Bei der Ersteinrichtung wird die GFH eindeutig identifiziert mit einem weltweit einzigartigen Namen. Das kann schonmal etwas dauern, da es in aller Regel mehr als eine Person gibt, die eine vergleichbar kreative Eingebung hat, bei der Namensvergabe. Dieses Unique-ID wird später genutzt um die Festplatte (bei erlaubtem Fernzugriff) von überall auf diesem Planeten anzusteuern. Meine natürliche Paranoia vermag sich kaum auszudenken, was ein findiger Urheberrechts-Abmahnanwalt mithilfe einer (existierenden) Backdoor von Seagate damit alles anstellen kann.
Erwähnenswert ist der Umstand, daß es nur 5 Benutzer gibt... zumindest wenn man keine 20¤ pro Jahr in den Premiumservice investieren möchte, dann ist die Zahl unendlich und man kann sich in einem Appstore rudimentäre Software hinzukaufen. So zb einen SFTP Clienten oder eine Backuperweiterung. Für meine Zwecke sinnfrei und reine Abzocke.
Nutzung
Sobald man der GFH/Stora über das Webinterface erklärt hat, daß man der (Möchtegern-)Admin ist, kann man auf die spartanischen Optionen zugreifen. Diese gehen kaum über grundlegendes Verhalten wie IP-Vergabe (welche sie gerne mal vergißt) und Benutzererstellung hinaus, und ermöglichen die außerordentlich ungenaue Uhr der Seagate auf Onlinesynchronisation umzuschalten. Hilft allerdings wenig, wenn man den Seagate-Urheberrechts-Peilsender vom Router ab- und an einen Rechner direkt angeklemmt hat. Eine Rechtevergabe ist praktisch nonexistent, dafür kann man unkompliziert (mal wieder) den Premiumdienst per Click hinzubuchen. Ähnlich penetrant gibt sich Memeo-Backup, daß keine noch so kleine Gelegenheit auslässt daran zu erinnern, daß es nur eine Testversion ist.
Das Klangbild der Festplatte ist gut, Temperaturentwicklung moderat und der Spindownmodus spart ordentlich Strom. Nachteil allerdings ist, daß zwar eine "Wake on LAN" ähnliche Verhaltensweise angesagt ist, allerdings dauert es zeitweise länger als die Timeouts des Rechners, bis die Platten wieder bereit sind.
Xbench 20 auf dem Mac attestiert dem Baby-NAS 26MB/s Schreibe und 42MB/s Leseleistung im SingleFileModus und 15MB/s Write bzw 18MB/s Read im Random Modus. Kombiniert also rund 20MB/s Schreib- und 30MB/s Leseleistung. Das ist nicht berühmt, aber liegt über den Durchschnittswerten in anderen Rezensionen. Immerhin reden wir hier von einem Netzwerkspeicher und nicht von einer Arbeitsplatte.
Hier deutet sich Frohsinn in Form von Variantenreichen Bases an, die man für verhältnismäßig kleines Geld kaufen kann. Sollte mir irgendann die Hutschnur platzen kaufe ich halt einen Firewire800 Base oder die USB 3.0 Base, die gleich mit passender PCIe Karte geliefert wird.
Zukunft
Aufgrund der engen Verwandtschaft mit der Netgear Stora gibt es eine starke Community, die sich mit dem Hacken der GoflexHome auseinandergesetzt hat. Letztlich gibt es drei Varianten, wie man seine Seagate optimieren kann: a) Aufbohren des vorhandenen Systems mit neuen Clienten (Torrent, Mailserver, Webserver, One-Click-Hoster-Dienste, SFTP etc...) dem Entfernen der Userbeschränkung und echtem Rootzugriff. b)Flashen auf USB-Stick oder aufgesetzte Plate (beides KOntraproduktiv, da es den Funktionsumfang verringert) oder c) Das Einspielen eines neuen Betriebssystems auf den NAND. Letzteres wird wohl das höchste Gefahrenpotential bieten, allerdings hat Seagate auch hier schon vorgesorgt und bietet "unbricking"-Firmware auf der Hauseigenen Webseite an. Man kennt halt seine Pappenheimer.
Die Garantie ist bei keiner Variante gefährdet, da der Werkszustand jederzeit wiederherzustellen ist.
Ich werde vermutlich auf die Variante A) setzen. Es gibt nur wenige Funktionen die ich ernstlich vermisse und diese lassen sich mit ein zwei Apps installieren. Weiter bietet es sich an, seinen Account zu rooten und mit dieser Berechtigung die E.T-Daemons wie Update, Überprüfung des Userlimits und Ähnliche Big Brother-Funktionen endgültig abzuschalten. Die Platte gehört mir, und alle Anderen haben draußen zu bleiben, wenn ich nicht ausdrücklich zustimme. Das gilt auch für Datenaustausch mit dem Hersteller.
Sobald diese Herausforderungen bewältigt sind, sieht die GoFlex Home einer rosigen Zukunft als Kleinstserver entgegen und wird mit Sicherheit durch den einen oder anderen Verwandten aus der GoFlex Reihe ergänzt. Einzig der gefürchtete Seagate Click of Death bleibt noch als Unsicherheitsfaktor bestehen.
Abschließend lässt sich sagen:
Die Seagate FreeAagent Goflex Home ist mit ihrer engen Verwandtschaft zur NetGear Stora ein ernstzunehmender Konkurrent im Homeserver Bereich. Wenn man über anfängliche Zickereien hinwegsieht und das Potential des NAS-Systems, nicht zuletzt durch einen vergleichsweise starken CPU, berücksichtigt, bleibt für den Technikaffinen eine Spielwiese mit zahlreichen Möglichkeiten und den Durchschnittsuser ein unkomplizierter und idiotensicherer Homeserver mit weltweiter Netzanbindun über.
Einzig der Marketinggag mit dem WiFi ist bei diesem Produkt Seagate zur Last zu legen.