Aus der Amazon.de-Redaktion
Beck ist ein armer Teufel, ein wirklich armer Teufel. Und wenn Songtitel wie "Lost Cause", "Lonesome Tears", "Already Dead" und "Nothing I Haven't Seen" dies nicht deutlich machen, dann werden seine traurig schmachtenden Texte und der unbeirrbar niedergeschmetterte Sound von
Sea Change dies erreichen. Das 1998 erschienene
Mutations -- ganz sicher das Meisterwerk des Sängers und Songschreibers und geistig verwandt mit
Sea Change -- war ja noch voll von erbarmungsloser Selbstkritik und Augenblicke von Leichtigkeit waren in Songs wie "Tropicalia" zu spüren.
Nicht so bei Sea Change. Becks trunkene, geradezu im Delirium befindliche Darbietung scheint das Gefühl von Weltschmerz noch zu verstärken. Aber traurig bedeutet nicht unbedingt schaurig. Es gibt daher trotz der düsteren Klangfarben vieles zu loben, nicht zuletzt die Rückkehr des Produzenten Nigel Goderich (Mutations, Radiohead), der Becks finstere Stimmung in eine verträumte, wärmende Hülle von sanften Streichinstrumenten, schwebenden Pfeiftönen und Murmeln einhüllt. Wie bei Daniel Lanois geht es bei Goderich immer um Ausstrahlung, und selbst die knochentrockensten Songs von Beck profitieren von der wogenden Atmosphäre.
Dies ist vor allen Dingen bei "Paper Tiger" der Fall, einem ruhelosen, sich langsam aufbauenden Epos, das auf unglaubliche Weise von einem zäh spielenden Orchester und Becks ausdruckslosem Brummton angetrieben wird. Die pechschwarze Stimmung von "Round The Bend" -- inem eisigen, langsamen Klagelied mit gedämpftem Gesang -- mag zwar das Düsterste sein, was Beck jemals geschrieben hat, wenn man von dem so grausigen "Already Dead" absieht. Ganz gleich was sich in Becks Welt abspielt, wir wissen zumindest, dass er alles in allem Buße tut, was für seine eigene Seele besser sein wird als für unsere. --Kim Hughes
INTRO
Change indeed. Kaum eine Figur hat die Fantasie der Popmusik-Analytiker in den letzten acht Jahren so sehr beschäftigt wie Beck Hansen. Niemand hat so viele mit dem umstrittenen Etikett der Genialität behaftete Coups gelandet wie er und erst recht kein anderer gleichzeitig die Kunstästheten verwirrt und die Charts in Tumulte versetzt. Als er 1994 mit "Loser' schlagartig als Post-Grunge-Hype- und Post-Generation-X-Zyniker berühmt wurde, war sein Ruf als Ein-Mann-Mainstream-Sabotageaktion bereits zementiert. Die ultra-schmucklosen Duette mit Calvin von Beat Happening, die 7-Inches mit Heino-Cover und die Tribute an Jägermeister-Pasteten kamen uns erst nach dem Erfolg von "Mellow Gold' zu Ohren. Bekanntlich bereitete dann nichts auf den Schock des Neuen vor - eingefangen auf dem '96er-Meisterwerk "Odelay'. (Kurze Anekdote: Als ich die CD im Dezember '96 für eine Freundin beim Kölner Saturn käuflich erwerben wollte, guckte ich in die Röhre - denn alle Beck-Platten wurden gerade von der Geschäftsleitung boykottiert, da der Meister angeblich in einem Interview mit einer lokalen Zeitung über die Unfreundlichkeit einer Verkäuferin hergezogen habe. Not bad, oder?) Sechs Jahre später überrascht Beck nun mit einer Platte, der jegliche ironische Brechungen fremd sind. Die gewagten Sample-Travestien und sonstigen Dust-Brothers-Avantgarde-Schikanen gehören jetzt der Vergangenheit an. Keineswegs geht es aber back to basics, also zurück in die Ära "Mellow Gold' oder gar "One Foot In The Grave'. Unendlich elaborierter ist das Geflecht der Soundfamilien auf "Sea Change'. Viel wurde nach ersten Hörproben über die Country-Spuren geredet. Deren bloße Erwähnung führt auf die falsche Fährte. Mit irgendeinem Genre hat das alles sowieso nichts zu tun. Die wimmernde Steel Guitar kommt nur selten zum Vorschein; statt dessen verblüfft ein satter, epischer Sound mit Hang zu elegischen Widescreen-Panoramen, nicht zuletzt dank bisweilen regelrecht ins Gigantische (aber überhaupt nicht Bombastische) kippender Strings. Die Stimme ist fast auf klassischem Hollywood-Niveau. Soviel unsarkastische Schönheit hätte ich Beck nie und nimmer mehr zugetraut.
Frank Buchholz / Intro - Musik & so
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Produktbeschreibungen
Mournful 2002 LP of beautiful sadness ... this AIN'T no disco! Includes "Lost Cause".